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Die Beziehungen
zwischen den Chansons de geste
Hervis de Mes und Garin le Loherain
und ihre nachträgliche Verknüpfung durch den Verfasser
der Redaction NT der Geste des Loherains.
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INAUGURAL-DISSERTATION
- Elencung: dör Doctorwürde
bei
hochlöblicher philosophischer Facultät zu Marburg
eingereicht
von
August Rhode
aus Corbach, Fürstentum Waldeck.
Marburg.
Universitäts-Buchdruckerei (R. Friedrich).
1881.
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Herrn
Professor Dr. E. Stengel
in dankbarer Verehrung.
Die Geste des Loherains, ein grosser Gedicht-Cyclus von
über 50,000 Versen, setzt sich mindestens aus vier, in ver-
schiedenen Zeitabschnitten verfassten Gedichten zusammen, die
nach ihrem jedesmaligen Haupthelden benannt sind. Danach
zerfällt dieselbein: 1) Chanson de Hervis de Mes. 2) Chanson
de Garin le Loherain. 3) Chanson de Girbert de Mes.
4) Chanson d’Anseis de Mes. Die gesamte Geste, welche uns
in circa 36, teils vollständigen, teils unvollständigen Hand-
schriften und Überarbeitungen überliefert ist, liegt bisher noch
nicht vollständig gedruckt vor. Schon Du Gange hat aber in
seinem ‚Glossarium mediae”et infimae lat.‘ Stellen der Hand-
schrift © mitgeteilt. Längere Auszüge gab später Dom Calmet
aus dem Vorgedicht auf Hervis de Mes nach Hs. E. Den ersten
Teil des eigentlichen Gedichtes voröffentlichte zum ersten Male
P. Paris und zwar im wesentlichen, wenigstens für den Anfang
nach der Hs. F (Li Romans de Garin le Loherain. 2 Bde.
Paris 1833—35)*. Die sich daran zunächst anschliessenden
Teile gaben danach Dumeril (La mort de Garin le Loherain)
unter Zugrundlegung von D und Stengel (Anfang von Girbert
de Mes, romanische Studien von Böhmer, Heft IV) nach E
heraus. Ausserdem liegt eine ausführliche Analyse des Hervis
von Hub (Hervis de Mes, Inhaltsangabe und Classification der
*) Von einem Brüchstück ‚Begons Tod‘ hat N. Delius in Bierlingers
Alemannia Bd.I. eine wohlgelungene deutsche Uebersetzung in fünffüssigen
Jamben veröffentlicht.
1
6
Handschriften, Marburg 1879) und eine solche des Garin und
Girbert nach @ vor, welche Mone in seinen Untersuchungen
zur Geschichte der deutschen Heldensage herausgab, sowie eine
neufranzösische Bearbeitung des Garin le Loherain von P. Paris
unter dem Titel: ‚Garin le Loherain, Chanson de geste com-
posee au XI. siecle par Jean de Flagy, mise en nouveau
langage‘. Dazu kommen noch Publikationen einer Anzahl
Fragmente und Proben aus neu aufgefundenen Hss., von denen
ich nur die letzten, von Vietor (Die Handschriften der Geste des .
Loherains, Halle 1876) noch nicht erwähnten hier anführe. So die
Sammlung holländischer Fragmente, welche Matthes, zur Er-
gänzung der ältern von Jonckbloet veröffentlichten, veranstaltete
(vgl. Stengel’s Anzeige, Zeitschrift für romanische Philologie
I, 137 ff)) und ein weiteres holländisches Fragment, welches
Fischer veröffentlichte (vgl. ebendaselbst II, 148), ferner ein
französisches Fragment in Alexandrinern von P. Meyer in der
Romania VI, 481 herausgegeben (vgl. Zeitschrift II, 347 ff.)
und endlich die in Godefroy’s Dictionnaire de !a langue francaise
(Heft I) ausgehobenen Stellen einer bisher unbekannten vati-
kanischen Hs. Urb. 375, die aber nach Herrn Prof. Stengel’s
Angabe nur Anseis de Mes, also den letzten Teil unserer
Geste, über welchen Herr Cand. Harff in Marburg eine
Untersuchung vorbereitet, enthält*). |
An diese Veröffentlichungen schlossen sich die Uhnter-
suchungen von Prost (Etudes sur I’ histoire de Metz, Metz et
Paris 1865), Stengel(s.o.), Bonnardot (Essai de classement
des manuscrits des Loherains. Romania II, 195—262), Vietor
(s. 0.), Fleck (Der betonte Vokalismus einiger altostfranzösischer
Sprachdenkmäler und die Assonanzen der Chanson desLoherains,
Marburg 1877) und Hub (s. o.) an. Gautier (Les Epopees
francaises, 2. Ausg. I, 245 ff.) kommt mehrfach auf die Loth-
| *) Ein weiteres Bruchstück von 3 Blättern, welche dem Anfang des
Garin le Loh. und dem Schluss des Girbert angehören , wird demnächst
von Prof. Bartsch in der Zeitschrift f. rom. Phil. veröffentlicht werden.
7 )
ringer zu sprechen, nimmt aber dabei von Vietors Arbeit
durchaus keine Notiz und lehnt sich nur an die durch Vietor
wesentlich berichtigten Untersuchungen Prosts und Bon-
nardots an. Nachstehende Untersuchung bezweckt, die Art
und Weise, wie die Chanson de Hervis de Mes mit der Chanson
de Garin le Loherain verknüpft ist, darzuthun.
Das dazu erforderliche Material wurde mir, abgesehen von
des Handschrift N des Garin und Girbert, die ich während
meines Aufenthalts in Paris von Herbst 1877—78 selbst copiert
habe, von Herrn Prof. Stengel gütigst zur Verfügung gestellt.
Hierfür, sowie für die mannigfachen Winke und Ratschläge,
die er mir bei Ausarbeitung meiner Untersuchung jederzeit
bereitwilligst hat zu Teil werden lassen, spreche ich ihm hier-
mit meinen herzlichsten Dank aus. Die Mitbenutzung der
Handschrift E wurde mir noch in letzter Stunde durch die
Freundlichkeit des Herrn Dr. A. Rambeau ermöglicht, der
während eines Aufenthalts in Paris den Eingang von Herrn
Prof. Stengel’s Copie von M mit E kollationierte, wofür ich
ihm ebenfalls zu Danke verpflichtet bin.
Während die grosse Mehrzahl der Handschriften über Hervis,
den Vater der Lothringer Garin und Begon nur kurz im Ein-
gang der Chanson von Garin le Loherain berichten, schicken
E N T und v*) noch eine ausführliche Erzählung über seine
Jugendgeschichte, die eigentliche Chanson de Hervis, voraus.
E v trennen dieselbe aber deutlich von Garin leLoherain, während
N T beide Gedichte gänzlich verschmelzen.
*) Da mir aus v zur Zeit nur wenige Auszüge vorliegen, kann ich
es im folgenden nur wenig berücksichtigen,. doch wird das der Unter-
suchung nicht wesentlich schaden, da v eine späte Prosabearbeitung ist
und sich.eng an Z anlehnt.
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Wir untersuchen zuerst das Verhältnis der eigentlichen
Chanson de Hervis, nach Hub’s Analyse zum Eingang des
Garin, wie ihn die meisten und besten Handschriften bieten,
speziell ABOEFMOQSabv. Derselbe wird, nach dem
von Vietor auigestellten Handschriften-Stammbaum zu schliessen,
auch den der andern, mir unzugänglichen Handschriften, welche
diesen Teil der Chanson bieten (d.h. @J PRY) entsprechen *).
Die Vergleichung dieser Stücke zeigt, dass die Zahl der
gemeinsamen Züge eine verschwindend kleine ist. Schon der
Gesamteindruck des Hervis mit seinen vielfachen Schilderungen
von Messen, Handelsgeschäften**), Räubereien und Turnieren
ist ein ganz anderer, als der des Garin, welcher uns eine Reihe
von gewaltigen heroischen Kämpfen Karl Martels und seines
hervorragendsten Vasallen Hervis gegen die Ileiden schildert.
Noch greller aber tritt die Verschiedenheit bei Vergleichung
von Einzelheiten hervor. Gemeinsam sind eigentlich nur die
sechs Personen: Thierry, Hervis, Aelis, Garin, Begon und Anseis. |
Doch sind die Situationen, in welchen sie beide Gedichte auf
treten lassen, so total verschieden, dass man nur nötig hätte,
andere Namen zu setzen, um fast jeden Berührungspunkt des
Hervis mit dem Garin verschwinden zu machen. So ist Thierry
nach Chanson de Hervis Profos von Mes und bürgerlicher
Abkunft. In Anbetracht seiner Reichtümer macht ihn Herzog
*) Unter dem Eingange ist der Teil zu begreifen, welchen Paris in
seiner Ausgabe ‚la premiere chanson‘ nennt. Derselbe reicht bis zu
Hervis Tode und dessen unmittelbaren Folgen. Der übrige Teil der
Chanson de Garin hat für vorstehende Untersuchung keine Bedeutung, wes-
halb der Kürze halber, wenn von dem Eingange des Gedichts die Rede
ist, nur Chanson de Garin oder nur Garin gesagt wird.
*) In ähnlicher Weise wie Hervis wächst Vivien, der Held der
Enfances Vivien (vgl. Gautiers Analyse, Ep. fr. III‘) im Hause
eines Kaufmanns auf und bekundet schon in früher Jugend Hang zu
ritterlichem Treiben. Reichlich mit Geld versehen auf den Markt ge-
schickt, um Handelsgeschäfte abzuschliessen, verschleudert auch er das-
selbe durch unverhältnismässig hohen Ankauf von Gegenständen, die
zum ritterlichen Sport gehören. j
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Pieres von Mes zum Gemahl seiner einzigen Tochter, die ihm
den Hervis schenkt. Nach Chanson de Garin ist Thierry König
von Moriane und tritt erst nach Hervis Tode auf. Von. vier
heidnischen Königen angegriffen, bittet er Pipin um Hülfe und
erhält dieselbe auf Fürsprache Garins. Zum Dank dafür
verlobt er diesem auf seinem Sterbebette seine einzige Tochter
Blanchefleur und übergiebt ihm seine gesamten Besitzungen.
Was sodann die Hauptfigur, welche der Chanson de Hervis
ihren Namen gegeben hat, anlangt, so weiss uns Chanson de Garin
von Hervis. Herkunft-wenig zu berichten. Wir sehen ihn bei
seinem ersten Auftreten bereits auf dem Concil zu Lion als
mächtigen Vasallen an der Seite Karl Märtels, dem Roland
Karls des Grossen vergleichbar, wo es nur seinem energischen
Eingreifen zu danken ist, dass Karl die von den Geistlichen
zur Bekämpfung der Heiden erforderliche Unterstützung erhält.
Seine Eltern werden gar nicht erwähnt, ebensowenig wird über
seine Jugendgeschichte etwas berichtet, noch werden die
Namen seiner Ritter und Vasallen namhaft gemacht. Wenn
von ihm die Rede ist, heisst er in der Regel ‚li dux Hervis‘,
zuweilen ‚le loherenc Hervis‘ *). Einmal S. 25 heisst es: ‚Hervis
chevauche, li gentis et li ber ABCEFM. Selten dagegen
sind die Stellen, wo ihn die Überlieferung ‚vilain‘ nennt, d. h.
ihm bürgerliche Herkunft zuschreibt. So lesen wir bei Paris
I. p. 120 u 121: Que ici vient li Loherans Garins
li dux de Mes, fils au villain Hervi.
Schon Prost p. 380 weist jedoch darauf hin, dass dies nur
Lesart von EM P sei, während ADFGN lesen: ‚Li fils au
due Hervi‘, und ©: ‚filz le vasal Hervi‘.
Die Lesart von EM P, von Paris merkwürdigerweise adoptiert,
dürfte demnach auf eine Verwechslung zurückzuführen sein **).
—
*) Vgl. P. Paris, Li romans de Garin le Loh. ], 6, 9, 13, 14, 21 etc.
**) Bei dieser Gelegenheit sei gleich angeführt, was die Ueber-
lieferung in dem von mir untersuchten Teil der Chanson über die
Persönlichkeit des ‚Vilain Hervis‘, eine neben dem Herzog auftretende
Figur, bietet.
10
«
Ausser Hervis Frau und Kindern erwähnt die Ueberlieferung
des Garin le Loherain von seinen Verwandten nur einen
Paris sagt in der Table de noms, de lieux, et de personnes im An-
hang seiner neufranzösischen Bearbeitung des Gedichts: ‚Hervis (le
vilain) frere consanguin d’Hervis de Metz (p. 12). Garde de l’enseigne
le preux, le bätard Hervis (p. 40). Auch p. 13 wird ‚le vilain Hervis‘
erwähnt, doch haben die angeführten Stellen keine rechte Beweiskraft,
denn |
1) Die Stelle auf p. 12. basiert allerdings auf
A Bl. 4c: A .I. dansel fist sensaigne porter
Heruiz ot non sert (si ert) preous bacheler
Vilain lapellent que de bast estoit ne
Mais tant preouz nus ni sot que blasmer
Li dus Herviz le pot meruelle amer
De son linaie estoit estraiz et ne.
BCEFMO und die Ausgabe haben aber nichts Entsprechendes.
2) die p. 13 entsprechende Stelle lautet nach Paris, Ausg. I. p. 32:
Si la bailla Guillaume Jocelin.
Nach ABCEFM: Si le bailla Guilliaume et Joscelin (Goucelin).
Auch 5b hat, nach Angabe von Herrn Dr. Fleck, Guillaume Gosselin.
3) Die p. 40 entsprechende Stelle lautet nach dem Druck I. p. 109:
Si les commandent Doon le Poitevin.
Nach AC: Si les commandent et Doon et Herviz.
B: Si les bailla et Droon et Henri.
EM: Si les commandent Droon le poitevin.
Sonst wird ein ‚vilain Hervis‘ noch sporadisch erwähnt:
4) Paris, Garin le Loherain 1. p. 41, v. 21 u. 22 lauten überein-
stimmend mit BCEFM:
Dejoste lui (d. h. Herzog Hervis) fu ses filleus Hervis
Ce fu li peres Hervi del Plesseis.
A dagegen liest: Ce fu li peres al vassal Rigaudin.
5) Nach den Worten Paris, Garin le Loherain I. p. 99:
Le veneor et son frere Thieri
folgen in AB: Et auvec aus li bons vilains Herviz
Qui en estor a mort maint Sarrasin.
C liest dafür: Et mon chier oncle del Mont d’Aucai Tieri.
EMO fehlen.
6) Nach den Worten Paris, Garin le Loh. I. p. 100:
Je, endroit moi en ociröie mil.
11
Bruder, nach Q$ Henri, nach 5 Auquentin genannt, der
Bischof von Chalons ist. Auch dies spricht für Hervis hohe
Abstammung, da bedeutende geistliche Würden damals in der
Regel nur an hochstehende Familien verliehen wurden. Im
Namen der Gattin des Hervis stimmt fast die gesamte Ueber-
lieferung des Garin le Loherain überein, nur nach © 8 ist Aelis
Tochter des Königs Henry von Terascone, nach den übrigen
Handschriften Schwester Gaudins von Cöln. Während indes
die Mehrzahl der Handschriften den Abt von Gordes um Aelis
für Hervis freien lassen, thut diesin 5 Auquentin, der Bruder des
Hervis. Der Zeitpunkt von Hervis Vermählung fällt nach dem
Kriege mit den heidnischen Wandres, auf den Rückmarsch
von Paris, wo er die Krönung des jungen Pipin geleitet hat,
nach Mes*). Hier angekommen, verlebt er eine Reihe von fried-
liest A 15b: Li vilains loit sen a iete .I. ris
Puis li a dit deus te puist maleir.
Für die erste Zeile fehlen BCEM, dagegen lautet die zweite nach
B: Et dist Heruis dex, vos puist beneir
C: Ce dit Heruiz deus de puist sostenir.
7) Paris, Garin le Loherain I. p. 101 bietet übereinstinnmend mit:
ABCEMDO: Se nel creez demandez le Hervi
und mit BCEMO: Le veneor et mon oncle Thien.
A liest für den zweiten Vers: Le bon vilain et Doon et Tierri,
worauf folgt: Dist li vilains ne tesmaier Garin,
ebenso CO; BEMO fehlen.
8) Mit Paris, Garin le Loherain 1. p.106 lesen BCEMO:
Hervi commande lensangne Saint-Denis
‚A: Je vos commant lensaigne Saint Denis,
wobei mit vos ‚li borgoins Aubris‘ gemeint ist.
*, Philippe de Vign. (v Blatt 67a) ändert hier aus Rücksicht auf
die abweichende Darstellung im Hervis de Mes die Erzählung. Nach
Pipins Krönung besucht bei ihm Heryvis auf der Rückreise nach Metz in
Chaillon den Bischof Hanry, seinen Onkel, schläft dann die nächste
Nacht in Verdun bei dem Bischof ‚lequel estoit bien son amy‘, logiert
danach in Gousse bei dem ‚abbe qui estoit son parrans. Et heurent
plussieurs deuise ensamble que je laisse pour abregier et apres plussieurs
. langaige cest le duc partis de Gouse bien acompaigniez et cen est venus
a 19
lichen Jahren, lediglich mit dem Wohl seines Landes und seiner
zahlreichen, aus 2 Söhnen und 7 Töchtern bestehenden Familie
beschäftigt. Am Schluss dieses Zeitraumes greifen ihn heidnische _
Stämme, Hongres genannt, mit grosser Uebermacht in Mes
an, er sieht sich bald in grosse Bedrängnis versetzt und geht
Hülfe suchend an den Hof König Pipins*), der ihm die-
selbe, durch falsche Ratgeber irre geleitet, trotz seiner frühern
‚Verdienste schnöde verweigert und nun bleibt ihm nichts
anderes übrig, als sein Heil bei König Anseis von Cologne zu
versuchen. Derselbe willigt auch ein, ihn zu unterstützen,
jedoch erst nachdem der Herzog sich bereit erklärt hat, als
Gegenleistung für die zu gewährende Hülfe Mes von ihm als
Lehen zu nehmen. In dem darauf folgenden Kampfe fällt
Hervis von Sarazenenhand und Anseis beeilt sich, Mes für sich
in Besitz zu nehmen.
Stellen wir dieser kurzen Skizze von Hervis Lebenslauf
nach Garin le Loherain die Mitteilungen gegenüber, die die
Chanson de Hervis über ihn macht, so begegnen wir überall
den schrofisten Widersprüchen. Die ausführliche Jugend-
geschichte, die wir hier antreffen, fehlt in Chanson de Garin
gänzlich. Ausdrücklich finden wir betont, dass Hervis väter-
licherseits bürgerlicher Abkunft gewesen sei. Sträubt sich doch
sein Vater Thieris anfangs gegen die hohe Ehre, Gemahl der
einzigen Tochter des Herzogs Pieres, Ayelis genannt, zu
en sa noble cite de Mets auquel lieu fut haultement ressus de touttes la
seigneurie et des bouriois dicelle et lui fut faictes vng biaulx recueille
et fut demenes grant joie par la cite pour la reuenue du noble duc
mais par sus tous ceulx et celles qui demenoie grant feste et joie ce fut
Beaultris la jantil dame et Guerinet et Begonnet ces deux biaulx filz‘
Kurz darauf werden auch Hervis 7 Töchter und deren Nachkommen
aufgezählt.
*, Nach Q S ist der Hergang insofern anders, als Hervis nicht in
Person an den Hof geht, sondern durch eine Botschaft zweimal um Hülfe.
bitten lässt und ohne Pipins Einwilligung sein Land von Anseis zum
Lehen nimmt. | |
13
‚werden. Erst nachdem Hervis sich mehrfach ausgezeichnet,
wird er am Schluss des ersten Teiles der Chanson Ritter und
bei Beginn des zweiten Teiles Herzog von Lothringen (cf. Hubs
Analyse p. 23—28). Während hier seine Mutter den Namen
Ayelis führt, heisst seine Frau Biautrix*). Dieselbe hat er
*, Ganz ähnlich, bemerkt hierzu Herr Prof. Stengel, heisst in
Chanson de Garin Blanchefleur die Frau Pipins, während sie in Berthe
as granz piez zur Mutter der unglücklichen Berthe wird. Zwischen
diesem letzten Gedicht in der Fassung Adenet’s und den Lothringern,
namentlich der Chanson de Hervis und der Chanson d’Anseis existieren
mancherlei Berührungspunkte. Wahrscheinlich bildete sogar Adenet’s
Vorlage, deren Versform er wie in seinen andern Gedichten beibehalten
haben wird — welche also 12 Silbler aufgewiesen haben muss — in
der 12 Silblerversion der Lothringer (cf. Romania V1,481) die Fortsetzung
des Anseis. Wenigstens bezieht sich Adenet auf die Lothringer und der
10 Silbler-Anseis erwähnt am Schluss kurz Pipins Heirat mit Berte. Das
von der 12 Silblerversion der Lothringer erhaltene Fragment (ft) stimmt
auch gerade mit der Handschriftengruppe, welche Anseis aufweist (cf.
Zeitschrift f. r. Ph. II, 347) und auch N fo. 50b (gegen T) hat hier
zum Teil aus gleicher Quelle wie EQ Sa geschöpft. Die betreffende
Stelle in N — Sfo. 4a lautet: b
Premiers parla Hardrez au poil flori
Sire dist il entendez envers mi
3 Ici menvoie li riches rois Pepin
Qui a grant tort a son fie envai
Fetes li droit si len-lessiez joir
6 Jen parlerai sire dist Anseys
Vous ferez bien sire Hardrez a dit
Car sachiez bien cil pooit estre ainsi
9 Maus en poroit mult tres granz auenir
Anseys fit sa gent a li venir
Concilliez moi signor baron dist il
12 Bien sai ie taing a tort le fiez Pepin
Et nel porai contre lui detenir
Que loez vous franc chevalier gentil
15 Rendez li sire pour amor dieu font il
Si iert an pais la terre et li pais -
A ces paroles ont fet Garin venir
18 Sı li rendi et li quita iqui
Quant orent fet si se sont departi.
14
durch Kauf aus Räuherhänden befreit und sich mit ihr ohne
Wissen und Willen seiner Eltern in jugendlichem Alter ver-
mählt. Seine Heirat stellt sich also als unbesonnener Jugend-
streich dar, und nicht wie in Chanson de Garin als wohlüber-
legter Schritt eines gereiften Mannes. Sodann kennt Chanson
de Hervis nur eine Tochter, die Hervis im dritten Jahre seiner
Ehe geboren wird (cf. Hub p.17)*), während Chanson de Garin
deren sieben nennt. Als natürliche Schwester von Hervis wird
die Frau Baudris namhaft gemacht (Hub p. 16), während ein
Bruder nicht erwähnt wird. Auch die Gegenüberstellung des
mutmasslichen Alters unseres Helden in beiden Gedichten er-
giebt grosse Verschiedenheit. Berücksichtigen wir die mannich-
fachen Abenteuer und Kriege, die Hervis nach seiner Vermählung
mit Biautrix zu bestehen hat und rechnen dazu die sich daran
anschliessende 15jährige friedliche Regierungsperiode, so werden
wir annehmen dürfen, dass er am Ende der Chanson de Hervis
das 50. Lebensjahr erreicht habe. Dieser Hervis aber kann
. unmöglich identisch mit dem jugendlich ungestümen Paladin. _
Karl Martels sein, der in einer langen Reihe von Kämpefn die
Heiden niederwirft, König Karl bis zum Tode treu dient, so-
dann dessen Sohn krönen lässt und nun in Mes eine lange
Reihe von Jahren in Frieden und in glücklicher Ehe verlebt,
bis ihn am Schluss derselben das abermalige Eindringen der
Heiden wieder aufs Schlachtfeld ruft. Gänzlich verschieden ist
schliesslich die Stellung, welche Hervis zum Könige Anseis von
Cologne einnimmt. In der Chanson de Hervis stehen sich die
beiden Fürsten feindlich gegenüber, da Anseis als Gemahl einer
Nichte Pieres, die ihm von. diesem selbst zur Ehe gegeben ist,
Hervis die Erbschaft des Herzogs von Brabant, eines Bruders
seines Grossvaters, streitig macht. Erst nach erbittertem
Kampfe wird Anseis unterworfen und geht ein Bündniss mit
*) Nach der Prosaerzählung des Hugues de Toul hatte Hervis
2 Töchter, deren eine Walter, Grafen von Hainaut, die andere dessen
Bruder Hugues, Grafen von Cambrai heiratete. Cf. Prost p. 394.
| us Gr
B
18
seinem Gegner ein. Während wir also oben Anseis als Sieger
' sahen, ist er hier der unterliegende Teil.
Indireet ergiebt sich auch aüs der Betrachtung des bebens:
ganges von Garin und Begon, der Söhne des Hervis, dass ein
Zusammenhang zwischen Garin le Loherain und Hervis ursprüglich
nicht bestanden haben kann. Sehen wir doch am Schluss der
Einleitung des Garin diese beiden, noch in sehr jugendlichem Alter
stehend, unter Obhut ihres Erziehers Berengierss zu ihrem
Oheim, dem Bischof von Chalons flüchten. Im Hervis aber,
dessen Ereignisse chronologisch vor den Garin gehören, treten
sie bereits tapfer kämpfend auf. Sie müssten somit Helden-
_ thaten vollführt haben, noch ehe sie der Chanson de Garin
zufolge das Licht der Welt erblickt haben können. Nach
7! jährigem Aufenthalt im Hause ihres Oheims gelangen sie
dann Chanson de Garin zufolge an den Hof König Pipins, wissen
sich dessen Zuneigung zu erwerben und werden von ihm durch
mancherlei Ehrenstellen ausgezeichnet und mit Gütern belehnt.
“Begon wird Graf von Gascogne, Garin Graf von Moriane, und
nun erst schicken sie sich an, Anseis zur Herausgabe ihres ge-
raubten Erbes zu nötigen. Da die Bürger von Mes in Garin
einstimmig ihren rechtmässigen Herrn erkennen, kehrt Anseis
nach Cöln zurück und die Besitzergreifung der Stadt geht ohne
Schwertstreich vor sich. Ganz im Dunkeln lässt uns seltsamer-
weise die Chanson über das Schicksal der später als Garin und
Begon geborenen Töchter des Hervis, die sich doch in noch
_ weit hülfloserem Zustande befunden haben müssen.
Zu den wenigen Punkten, die auf einen Zusammenhang
beider Gedichte deuten, gehört z. B. eine von Hub p. 17 er-
wähnte Stelle, wo der Dichter, spätern Ereignissen voraus-
greifend, erzählt, Garin sei Vater von Gibert lou palesin ge-
worden, Biautrix habe ihrem Gemahl im nächsten Jahre den
Begues de Belin und im dritten eine Tochter geboren, die Dos
li veneires zur Gemahlin nahm, welcher Ehe li valles Malvoisins
entspross, vgl. Paris, Garin leLoherainl. 5.291 2.2. Ebenso wird
—
16
Fromonts und seines Sohnes Fromondin, sowie ihrer Kriege
mit Garin und Begon an verschiedenen Stellen gedacht.
Weitere Berührungspunkte fehlen aber gänzlich und Prost
hat daher Unrecht, wenn er im 6. Capitel seiner Histoire
de Mes (s. 0. p. 2) behauptet, Chanson de Hervis sei
eine jüngere Umarbeitung und Erweiterung der in Chanson
de Garin enthaltenen Überlieferung des Hervis, die ihrer-
seits bruchstückweisse aus einer noch ältern Quelle auf
uns gekommen sei*). Gautier (les Epopees franeaises 1. c.) -
acceptiert diese verfehlte Ausführung Prosts auf TreuundGlauben
hin**), und auch Bonnardot schliesst sich in seinem Versuch
einer Classification der Lothringerhandschriften Prosts An-
sicht an ***).
Bei dieser rein äusserlichen Verknüpfung beider Gedichte
und den vielen zwischen denselben bestehenden Widersprüchen
begreift es sich, dass ein Überarbeiter auf den Gedanken
verfiel, die Widersprüche zu beseitigen und die Gedichte enger
zu verschmelzen. Ein derartiger Versuch liegt in den Hand-
schriften N 7 vor. Ihr Verfasser beruft sich einmal sogar
ausdrücklich auf ein Buch, aus dem er geschöpft habe.
Il se deffent com chevalier hardis
V. en a mort a son espiel fourbi
Al retourner et al souvent gencir
Si com li liures le nos tesmongne et dist.
T Blatt 183 a 17—20.
Handschrift N erwähnt schon im Eingang des Hervis Fromonts
*) Die p. 347 von Prost gegebene Zählung der Verszahl der ge-
samten Lothringergeste, sowie ihrer Unterabteilungen ist ziemlich aus
der Luft gegriffen. Nach ihr soll z. B. der Hervis 15000 Verse umfassen,
während er deren nur 10530 (E) resp. 13144 (N) und 12928 (T) hat
(cf. Hub p. 9). Ganz unverständlich, wohl auch in Folge falscher
Zählung, ist eine p. 374 gegebene Anmerkung.
**) Beiläufig gesagt, läuft ihm an dieser Stelle ein Flüchtigkeits-
fehler unter, indem es statt ‚deux cents‘ ‚douze cents‘ heissen muss, wie
auch p. 251 Anm. richtig gesagt ist.
***) Of, Romania III, 234.
ne ne see KESSERHEREPEBHRIERFRRE, |
17
und der Tötung Begues’ im Walde. und erweitert damit, wie
Hub p. 11 ganz richtig bemerkt, die Einleitung zum Hervis zu
einer solchen zur Lothringergeste überhaupt. |
Zur Verknüpfung beider Gedichte schieben dar aber
NT am Schluss des Hervis einen gemeinschaftlichen Zusatz
von 21 Tiraden mit 1451 (7), resp. 1497 (N) Versen ein*).
Die Abweichung dieser Handschriften von E und v beginnt
bereits gegen Schluss der 82. Tirade, nach Hubs Zählung. Der
letzte sich deckende Vers findet sich E fo. 88 5 9, N fo. 39
514, T fo. 169 a 37 und lautet:
He (Frans) rois Eustaice (Wistasse) dist il or (li rois) mentendes.
"Der Schluss lautet dann nach E Blatt 88 D 10:
Mon nevout faites en mon tref ramener 10
Puis man irai ariere en mon regne
Mais B. la bele o le vis cler.
Mult uolentiers vorroie regarder 13-
La pais fu faite ensi lont craente
Et li dui rois a cheual sont montez
'Tresque a Mes ne se sont arrestez 16
Et le preuost ont auec eus mene
Et Begonnet sor .I. cheual monte
Treske a Mes ne se sont arrestez 19
Quant B. ait son fil esgarde
Ne fust si liee por lor de .xx. eitez
Ancontre vient Garinez li menbrez 22
Lou preuost vait et son freire acoler
Et B. a gent cors honore
Li rois ces peires la corrut acoller 25
Et ele lui per grant humilite
Son frere baise per mult grant awmiste
Lors ont la pais et dit et creante 28
Et B. fist son cors asener
O li menait tot son riche barne
88 c DB. monte sor .I. mul effautre 1
De Mes issit et il et ces barnez
Li rois dEspaigne li vint a lancontre
*) Prost hat laut einer Notiz p. 366 Anm. nur die Handschriften N T
benutzt, kennt also den Hervis nach E nicht. Für ihn gehört deshalb
der Zusatz selbstverständlich mit zum Hervis.
88 d
18
De B., ait veut la biaute
Et ces .Il. fiz qui tant font a loer
A haute uois commencent a crier
Dame fait il vostre grande biaute
Et vos valor mait durement coste
Or man irai arriere en mon regne
Mais tant vous di en bone loialte
Nauerai feme iamais ior espouse
Moinnes serai car tez est mes panser
A ces paroles ait congie demande
Lors se deceurent si sont achamine
Et son nevout auec lui ait mene
Et Flores rest entreis en la citet
Hui mais deuommes dou duc H. parler
Qui cheuachoit et ces riches barnez
Un mesaigier li ait dit et conte
Li rois dEspaigne san va en son regne
H. lantant grant ioie en ait mene
‚Thieri apele biau amis sai venez
Alez a Mes le roi me saluez
Lui et son fill roi Flore le menbre
Et B. et trestot mon barne
Dist Thieri sire si con vos comandez
Lou cheual broche a Mes en est alez
Vint a palais si montait les degrez
A haute uvis commensait a crier
B. dame par moi vos ait mande
Li dus H. cancontre lui uenez
Et vostre peire salus et amiste
Et a vos freire, roi Flore le menbre
B. lot grant ioie ait demene
Issi de Mes la mirable cite
Et li dui rois et li riche barne
A lassambler grant ioie ont demene
Lun baise lautre per mult grant amiste
A ioie entrerent dedans Mes la cite
A la grant glise vont la messe escouter
Apres seruise ou palais sont montez
Mettent les tables sasieent a disner
Mais de lor mes ne vos wel aconter
Grans .IV. iors ilueques sont seiornez
Lors se departent li prince et li chace
An Honguerie an. est Flores alez
10
13
16
19
22
25
28
10
13
16
ER TER: TORUSR
BR Be
19
Departis sont li prince et li per
Ceste chanson vos lairommes ester
Huimais des Wandres vos vorommes ‚parler 19
Comment destrusent sainte crestiente
Et de proesce H. le duc men[bre] []Rasur
Con il vangait a branc dacier letre 22
Voir .S. Nicaise .S. Remey autretel
Et .S. Quentin que firent decoller |
Li fellons Wandres ou tant ait cruate 25
Dex gart de mal seuz qui mont escoute
Et qui lescrist dex le puisse sauer.
In knapper und doch klarer Darstellung schliesst somit die
Handschrift E das Gedicht durch Schilderung der sich jetzt
rasch aufeinander drängenden Ereignisse, des Abmarsches des
Königs von Spanien, der Botschaft an Hervis, dessen Rückkehr
nach Mes und die darauf folgenden Festlichkeiten, sowie des
. Abzuges der verbündeten Fürsten in ihre Länder und erzielt
damit im ganzen einen gefälligen Abschluss *).
*) In v lautet der Schluss des Hervis, soweit derselbe mir Verlent,
folgendermassen :
(Bl. 594) sont issus de la scite et audeuantdu duc Heray ı en sont alleis (vgl.
oben E 88d 7:) Et de cy loing quilz se sont veus et cognus si corrurent
3 ]es bras tendus et ouuerts et se viendrent embrasser et tendrement
baisier et de la grant joie qnilz eurent leur en sont venues les larmes
aux yeulx. Ceste joie fut cy grande a lasemblee quilz nest a dire Et
6 apres plussieurs parolles quilz eurent enemble que pour abregier je
laisse (9:) sont en la cite venus (10:) et en la grande eglise alleis La ou
la messe fut dietes sollennellement eten grant triumphe (11:) puis apres
9 le seruice diuin fait et acomplis au pallais sen sont’ venus (12:) la ou le
disner fut prestz et aprelliex comme a Roy appartenoit (13:) de leurs
mes vins et viandes ne vous veulx conte tenir maix de la joie qui estoit
12 leans seroit long a raconter des Instrumens cumballes et tambors
semphaine trompettes et violettes tous le pallais en estoit plain et tout
en rotendissoit. (14:) Quatre jours durant [refist] la feste. Apres lesquelles
15 le roy Eustaiche ait congie demandeis et en Thier est retournes. (16:) Et
le Roy Flour en Hongrie. Au despartir out Beautris et ses enffans
tendrement baisiez et acolleis E apres plusieures parolles les ait le duc
18 Heruy conuoies et de luy ont congie prins Puis en Mets est retorneis la
20
Der aus nur 16 Versen bestehende Schluss der 89. Tirade
nach N T lautet:
Puisquensi est, que Je nen puis faire el (que faire nen puis el)
Pour uostre fille sui iou ensi penes
Si sunt mi homme mort et desbarete
Pour sa biaute ou ai mon cuer donne
Me sui .xx. ans tenus (tenus .xx. ans) de marier
Et si me fis baptizier et leuer
ou Il fut par plusieurs jours menant grant feste et joie auec sa femme
et ses enffans jusques a vng jour comme cy apres vous serait dit.
21 Icy denent est finee la vie et Istoire du duc Pier de Louraine et de
Aelis sa fille paircillement de la belle Beautris fille a Eustaiche le roy
de Thir et suer a roy Fleur de Honguerie Et du noble duc Heruey de
24 Mets son bon mary laquelle Istoire je Phelippe de Vignuelle le marchamps
demeurant au dit Mets derrier Saint Salueur sus la rue des Bons-Anffans
ait escript et translateis de chanson de gestes etc.
Auf Bl. 60a beginnt dann Garin le Loh. folgendermassen:
27 Et premierement est a nocter que du tampts Chairles Mairtiaulx roy
de France vinrent vne nacion de gens tant en France come en plusieur
aultres pais destruisant crestiente Et ce nommöie celle gent Wandre et
30 Hongre lesquelles pour ycelluy meisme tamps mirent a mort st. Nicaize
de Rains et sainct Manmins et plussieur aultre sainct et auec eulx furent
tues et martirisesplusde VIIM cheualiers qui pour soubuenirla foy de Ihesu
33 Cyist souffrirent mort douloureuse de quoy le dit roy Chairle Mairtiaulx
fut forment apowris et ne le powoit plus souffrir. Or en ycelluy temps
florissoit lorde des noir moine de seigneur Benoy Et les preudon qui
36 pour ce tampt adoncquez ce gissoient an lit malaide En faisant leur
testament sen regairder a frere ny a suer a femme ne enffans donnoient
a yceulx moine de lorde seigneur Benoy four et moulin pres vigne et
39 champts cens et rente et heritaiges de quoy leur powre anflans venant
aprez eulx en estoient granment apowris et adomaigiez et ne powoient
la plus part souffrir le fais dicelle guere car il nauoie cheuanlx ny arme
42 que tout ne fut vandus et engaigies Et au contraire yceulx moine et
abbe en estoient grais et enrichis et nen estoient les crestiens de rien
aydies Or en ycelluy tampts yceulx Waırdre et Hongre mirent le siege
45 deuant Paris Rains Troye et Soixon et en plussieurs aultres lieu en
destruisant ville et chaistaulx Et firent moult de maulx par le reaulme
et en plusieur pais que pour abregier je laisse Et pour ce vng jour le
48 dit roy Chairle Mairtiaulx mandait tout le fait de celle piteuse guere
a nostre seigneur pere le pape luy priant ou non de Dieu et en pitiet
que vng jour prins ce trowait a Lion sus le Rosne.
N
a
Try nn Ta rn a TEE, VW heit Luce BRETT The u AR A A ah 6A TE BUTTER BAR LAT BERREFEEFERRRETRRE U PRR u ESS SAFE SE ER TR ne
Et si uous jur desour ma loiaute
21
'Et tous mes honnes et mes riches barnes (mon riche barne)
Gentis rois sire par toutes amistes
Proies uo fille Beatris au uis cler
Que mon neueu me ueille deliurer
Et que la belle me ueille regarder
Plus nen uoroie uiure ne jour pusser
N
Jamais pour moi guerre ne mal (nul ior par moi guerre) nares
Se mestiers est que me uoeillies mander
Aiderai wous en boine loiaute.
Hieran reiht sich der gemeinschaftliche Zusatz, den Hub
bei seiner Untersuchung, insbesondere auch bei der Analyse
des Gedichts, unberücksichtigt gelassen hat. Derselbe zerfällt
inhaltlich in zwei scharf gesonderte Teile. In dem ersten wird
der Schluss des Gedichts noch durch eine Reihe von Tiraden
weiter ausgesponnen, in dem zweiten dagegen wird eine neue
Begebenheit eingeflochten, die den Kampf Karl Martels mit
einem aufständischen Vasallen Namens Girart von Rossillon
zum Gegenstande hat. Der Inhalt dieses Zusatzes ist in aller
Kürze etwa folgender:
l. Teil. (Tirade 83-- 87).
Schluss des Krieges nrit dem Könige von Spanien.
a) Abzug des Königs von Spanien (Tirade 383) (N fo.39b,
T fo. 169b ff... Auf Anordnung des Königs von Spanien
begeben sich Wistasse und Flores in Begleitung der Gefangenen
Thieri und Begon nach Mes, um gegen Freilassung derselben
die Herausgabe des Neffen des Königs zu erwirken (Tir. 84).
Nach einem rührenden Empfange teilt Wistasse den Bürgern,
seiner Tochter Biautrix, sowie Garin und Begon die mit dem
Feinde vereinbarten Friedensbedingungen mit. Der Neffe des
Königs soll freigegeben, und ihm selbst der einmalige Anblick
jener Biautrix, um deren Schönheit willen er so vicle Opfer
gebracht hat, zugestanden werden. Hierauf hat er sich, wenn
2
22
ihm sein Leben lieb ist, sofort mit den Semigen in sein Land
zurückzuziehen. Wistasse verspricht seinen Verwandten, ihnen
von jetzt an mit allen ihm zu Gebote stehenden Mitteln bei-
zustehen und Hervis, den er hier zum ersten Male seinen Sohn
nennt, für die angerichteten Zerstörungen Schadenersatz -zu
leisten. Hierauf findet die verabredete Begegnung zwischen
dem Könige von Spanien und Biautrix stalt, zu der letztere
prächtige Schmucksachen angelegt hat, so dass sie in unver-
gleichlicher Schönheit strahlt. Der König erzählt ihr, dass er
nunmehr seit 20 Jahren um ihretwillen Krieg führe, jetzt aber,
vollständig erschöpft, auf eine Fortführung desselben verzichte
und entschlossen sei, gar keine Frau zu nehmen. Er bittet,
gleichviel unter welchen Bedingungen wegen seines frühern
Verhaltens um Verzeihung, ja, erklärt sich sogar bereit, im.
Fall eines Krieges Biautrix Beistand zu leisten. Grossmütig
gewährt sie die nachgesuchte Verzeihung, ebenso wie die weitere
Gunst einer einmaligen Umarmung, obgleich nur mit Wider-
streben, worauf der Zug in Begleitung des Königs von Spanien
den Rückweg in den Palast antritt. Das endliche Zustande-
kommen des Friedens ruft allgemeinen Jubel unter den Bürgern
hervor, insbesondere, als sie aus des Königs eigenem Munde
hören, dass er ihnen im Falle eines Krieges ein treuer Bundes-
genosse sein werde. Sodann tritt derselbe, von Wistasse eine
geraume Strecke Weges begleitet, den Rückweg in sein Reich
an. Der Dichter fügt hinzu, dass er dort nach seiner Ankunft
nur noch 8 Tage gelebt habe und am 9. begraben sei.
b) Hervis’ Rückkehr. (N fo. 39e, Z fo. 170a ff.). Während
dieser Vorgänge weilte Hervis mit seinem Heere fern von Mes.
Er war nach Brabant gezogen, wo König Anseis von Cologne
in Begleitung der Könige von Escoche, Frise und Galles und
seiner Truppen zu ihın gestossen war. Der anfängliche Sehrecken
der Bürger Brabants beim Anblick solcher Heeresmassen wird
von Hervis bald beschwichtigt, indem er sie von der Belagerung
von Mes in Kenntnis setzt und zum Entsatz der Stadt beizu-
23
tragen auffordert. Darauf hin versammeln sich alsbald
60000 kampffähige Leute, die sich dem Heere anschliessen,
. worauf. der Herzog sich eines Tages zum Aufbruch von Brabant
nach Mes anschickt, nicht ohne zuvor seinen Soldaten unter
Androhung der schwersten Strafen die strengste Mannszucht
eingeschärft zu haben. Über Landres, wo gerastet wird, geht
der Marsch ohne Aufenthalt bis nach Buillon. Hier, wo aber-
mals Ruhelag ist, überbringt ein Bote die freudige Nachricht
von den jüngst in Mes stattgefundenen Ereignissen. Auf Anraten
Anseis’ beschliesst Hervis sofort einen Boten nach Mes zu
senden um seine bevorstehende Ankunft zu melden. Anseis
selbst aber tritt mit den 3 übrigen Königen den Rückmarsch
in die Heimat an, nachdem vorher alle das gegenseitige
Schutz- und Trutzbündnis auch für künftige Fälle beschworen
haben.
c) Hervis in Mes. (N fo. 40a, ZT fo. 170c ff... Mit der
Botschaft nach Mes wird der bereits mehrfach erprobte Thieri,
derselbe, der später Hervis’ Schwiegersohn wird*) betraut.
Sobald Biautrix seine“ Meldung vernommen, lässt sie die
Glocken läuten und die Bürgerschaft zusammenkommen.
Nachdem man eiligst die Stadt aufs prächtigste geschmückt hat,
zieht alles in langem Zuge dem geliebten Herzog entgegen:
Die schon eine halbe Meile vor der Stadt erfolgende Begegnung
ist eine überaus herzliche. Zum ersten Male umarmt und
küsst Wistasse seinen bisher stets befehdeten Schwiegersohn.
Alsdann erfolgt auf Hervis’ Wunsch eine Erneuerung seiner
Vermählung mit Biautrix in Gegenwart ihrer Verwandten, die
bei der ersten Hochzeitsfeier abwesend waren. Ein grosses
Mahl, verbunden mit einem allgemeinen Vofksfest bildet den
Schluss dieser Versöhnungsfeierlichkeiten.
Nach Schluss derselben thut der alte Herzog Pieres, der
bereits im 140. Lebensjahr steht, den Entschluss kund, sich
*) Qui estoit leres dedens le bos rame.
T 170, 3. Vergl. p. 26. Anı. 2.
2*
24
von der Welt zurückzuziehen und den Rest seiner Tage als Mönch
im Kloster zu verbringen. Derselbe ist bekanntlich Schwieger-
vater des Profosen Thieris, dem er seine Tochter Ayelis, nach-
malige Mutter des Hervis, zur Frau "gegeben hat; kurz nach
Beendigung der Hochzeitsfeierlichkeiten und nach Belehnung
seines Eidams mit der Herzogswürde hatte Pieres in Begleitung
von 300 Baronen einen längst gelobten Zug zum heiligen Grabe
unternommen, von dem er dann glücklich zurückgekommen ist,
weshalb das Gedicht, um ihn näher zu bezeichnen, von
ihm sagt: |
Che est (Che fu 7) li dus qui reuient doutremer.
Weitere Angaben über ihn und seine Rückkehr fehlen. Zum
Erben seiner Güter setzt er Hervis ein und übergiebt ihm so-
gleich dieselben, insbesondere auch das Herzogtum Brabant.
Ausserdem händigt er ihm 2 Kleinodien von unschätzbarem
Werte ein, nämlich einen wunderbaren Helm, den er auf seinem
Zuge ins heilige Land dem Sarazenenkönig Salatre abgenommen
hat und ein Schwert mit dem Longis Jesu Seite bei der
Kreuzigung geöffnet haben soll*). Hierauf lässt er sich durch.
Mönche aus der von ihm gestifteten Abtei St. Hernoul feierlichst
ordinieren und ins Kloster führen, wo er jedoch nur noch
5 Tage lebt und am 9. begraben wird.
d) Wistasses Abschied. (N fo. 40f, T fo. 171d ff.)
Inzwischen schickt Wistasse in Mes sich zum Abschied an. Er
hat sich nunmehr überzeugt, dass Biautrix auf rechtmässige
Weise in Hervis’ Besitz gekommen ist, indem dieser sie zu
Lagni von Räubern kaufte und zu seiner Gemahlin erhob.
Auch ist ihm die Treue und Ergebenheit nicht verschwiegen
geblieben., die er ihr stets entgegengebracht hat. Zur Sühne
für sein früheres Unrecht setzt er deshalb Hervis zum Erben
seines ganzen Königreichs ein (Tir. 85). Der folgende Tag wird
‘für die Abreise festgesetzt. Hervis’ Bemühungen, seine Gäste
*) Cf. Roland. 2503 ff. und G. Paris Rom. IX, 8,
25
-_
zu längerm Bleiben zu nötigen, werden von Wistasse unter
Hinweis auf seine Gemahlin, von der er bereits seit 2!/s2 Jahren
entfernt sei und deren Kummer um den Verlust ihrer Tochter
noch fortdauere, abgelehnt. Dagegen bittet Wistasse Hervis,
ihn nach Ordnung der innern Angelegenheiten seines Landes
an seinem Hofe zu besuchen. Alsdann will er die Regierung
zu Gunsten seines Schwiegersohnes niederlegen und sich in die
Klostereinsamkeit zurückziehen. Nachdem Hervis versprochen,
diesen Wunsch Wistasses’, wenn es Gott gefalle, ‘zu erfüllen,
lässt man sich zu einem zur Feier des Abschieds hergerichteten
Male nieder (Tir. 86). NachSchluss desselben lassen Wistasse
und Flores auch die übrigen Barone, z.B. Thieri den Profosen,
Sanson von Monroial und .den Grafen von Bar kommen, um
ihnen Lebewohl zu sagen und verlassen alsdann, von Hervis
und seinem Gefolge 4 Meilen weit begleitet, die Stadt. |
0) Hervis’ friedliche Regierung. (N fo.41b, 7 fo.172e ff.).
Während der nun folgenden Jahre schweigen Waffenlärm und
Kriegsgetümmel. Hervis widmet sich einzig den innern An-
gelegenheiten seines zerrütteten Landes, die er aufs beste zu
ordnen versteht, so dass bald Friede und Wohlstand in das-
selbe zurückkehren. Marken, Städte und Schlösser werden
geschützt, die Armut der Bürger durch reiche Spenden ge-
mildert, kurz nichts unterbleibt, was zur Milderung des durch
den langen Krieg hervorgerufenen llendes beitragen kann.
In diesem 15 Jahre andauernden Zeitraum werden Hervis
noch 7 Töchter geboren, die er an die mächtigsten Barone
seines Landes verheiratet. Hieraus ergiebt sich unter Hinzu-
nahme der früher erwähnten Familiennachrichten der folgende
Stammbaum:
26
Pieres v. Mes.
| | a
Ayelis, Gemahlin des Thieris, Profosen v. Mes.
ee u U
Hervis, Gemahl der Biautrix. Frau Baudris natürl. Tochter,
Tun
Garin. Bogues. 7 Töchter, nämlich:
Girbert. Gerin. Elernant.
1. Biautrix, Gemahl Dos liveneres, Sohn: li varles Mauuoisins.
9. Gemahlin von Basins quens de Guenes, Sohn: Auberis
li Borguins.
3. Heluis, Mutter von a) Hernaiz d’Orleans. b) Öedes,
esvesques d’Orleans.
4. Mutter von a) Alemans Ouris. b) Gerins d’Anjou.
SI =
c) Hues de Cambresis. d) Gautier d’Hainaut. e) Joffrois
li Angeuins.
. Fehlt in der Aufzählung.
. Gemahlin des Vilain Heluis*), Söhne: a) Rigaus du
Placheis. b) Morans. c) Rouselins.
. Gemahlin des Vilain Thieris**), Söhne: a) Flores.
b) Anseis ***).
*) Sohn des Profosen Thieris, mithin Oheim seiner Frau.
**) Cijs que Heruis trouua el bos fuellis
Qui estoit leres et gens auoit mourdris
Mais tant fu puis cheualiers de grant pris.
**) Der Stammbaum des Hervis, wie ihn die Überlieferung des
Garin bietet, ist im allgemeinen folgender: |
ouPove
Hervis. Ayelis.
ET
“ Garin. ° Begon. 7 Töchter, nämlich:
. Helois, Söhne: a) Hernois. b) Huedes, €v&que d’Orleans,.
. Gemahlin Basins de Geneve, Sohn: Auberis li Borgoins.
. Mutter von Alemans Ouri.
. Mutter von Girars de Liege.
. Mutter von a) Huedes de Cambresis. b) Gautier de Hainaut.
Mutter von Jofrois li Angeuins, quens J’Anjou.
. Mutter von a) Hues delMans. b) Garniers de Dreues (Braines EM.)
27
Der erste Teil schliesst mit den Worten:
Signour baron pour dieu qui ne menti
Dedens cel terme que je vous ai chi dit
Fu en grant pais li Loherains Heruis
Dusqua un jour (terme) que vous mores jehir.
Hierzu stimmt v BI. 67b, wo der Stammbaum lautet: Apres eust
le noble due Heruy de celle noble duchesse VII fille lesquelle furent
toutte mariee a grant prince et sergneur de diuerce contree et pais et
desquelles sortirent plusieur vaillant homme comme cy aprez serait dit.
La premiere olt a non Heluis laquelle olt en mariaige vng vaillant
“ prince de France nomme dOrlenois Herneis duquelle elle olt deux biaulx
file le premier eust a nom Hairnais qui puis fut duc dOrleans et tut
bomme vaillans aus airme Car ce fut celluy qui tuait Herdr le. perre le
‘conte Fromon come cy apres cerait dit lautre eust » nom Eudes le
quelle fut home waillant et bien lestre et fut euesque dOrlians. La
seconde fille fut mariee en Bourgongne de la quelle sortist Aubris
le Bourguignon qui fut home tresvaillant aus airme et eust encor vng
filz.Gui. Et la tierce fille fut mariee en Allemaigne et dicelle sortist
vng vaillant home nommes Orris lAllemans le quelle fut tue en une
bataille deuent Verdun comme cy apres oyres. La quairte fille fut
mariee en Liege et eust vng filz nommes Gerard qui depuis fut seigneur
de Liege. ‘La quinte fut mariee deuers Cambray et eust deux filz dont
‘le premier eust a non Hues de Cambresis qui fut parreillement moult
vaillant homme et fut tues deuers Cambray en trayson de Bernaird de
Naisil aprez ce quil ce fut randus et son frere eust a non Gauthier
lorfellin le quelle fut seigneur de Henault Et serait beaucopt parles
de ces deux ycy aprez La VI* fille fat mariee a Anioys et eust vng filz
nommet Joffroy ly Engeuins le quelle en son tampts fut conte d’Anio
Et la VII® et dernier fille du duc Heruy fut mariee en France et dicelle
saillirent deux filz le premier fut apelles Hue du Mans et fut conte du
Maine Et laultre fut nommes Guernier seigneur de Droies.
So ziemlich stimmt auch b, wo folgende Angaben über die Töchter
gemacht werden: 1. Gemahlin des Hernais, dessen Bruder Eudes —
2. Gemahlin Thierrys le Bourgoing, Sohn Aubris. Neffe Gasselin. —
3. Mutter Olrys. — 4. Mutter von: a) Gerard de Commercy. b) Gauttier
de Hainaut, Namur et Liege. — 5. kinderlos. (De la chinquiesme fille
ne yssy point de lignie. — 6. Mutter Geufroi d’ Angers, — 7. Mutter
von: &) Huon du Mans. b) Guarnier de Dreuez.
QS unterdrücken Oedes Bischof von Orleans und geben die andern
Enkel des Hervis in bedeutend abweichender Reihenfolge, ohne sich:
jedoch dadurch den Abweichungen von NT zu nähern. S$ bietet:
28
“
II. Teil. (Tirade 87—103).
Kampf Karl Martels mit Girart von RBossillon.
Der Inhalt des zweiten noch breiter ausgesponnenen Teiles
ist kurz folgender:
a) Kirchenversammlung zu Lion. (Nfo.41b, Tfo.173aff.).
König Karl Martel, in einen unglücklichen Krieg mit einem
widerspenstigen Vasallen Namens Girart de Rossillon verwickelt,
gerät in die grösste Bedrängnis. Daher richtet er an den Pabst
die Bitte, die Geistlichkeit zur Beschaffung von Mitteln für die
Fortsetzung des Krieges anzuhalten. Zu diesem Zweck wird
eine Kirchenversammlung nach Lion an der Rosne berufen, an
der etwa 4000 Geistliche und 20,000 Ritter Teil nehmen, welchen
letzteren es zumeist an Ausrüstungsgegenständen gebricht. Hier
vor versammeltem Volke schildert Karl dem Pabste mit beredten
Worten sein Unglück und seine Mittellosigkeit. als deren
Ursache er die Schenkungen bezeichnet, welche er einst, tot-
krank darniederliegend, den schwarzen Mönchen vom Orden
des heiligen Benediet gemacht habe. Hierdurch seien viele
seiner Untergebenen in Armut geraten und ausser Stande sich
Rüstungen und Waffen anzuschaffen. Er verlangt darum, dass
De cele dame dont vous aues oy | Issirent puis.VIL. pucielles de pris | De
Helui laisne issi Aubris | De 1a seconde li Alemans Auris | Et de la
tierche Gerars ki Liege tint | Et de la quarte Hues de Cambresis |
Gautiers ses freres de Hayn. li marcis | De la .V. Hernaus ki Orliens tint |
De la .VI. Hues de Rains issi | Il et Garniers ychis ki Branie tint | De
la .VIL Joffrois li Angeuins. Wegen © vgl. Mone S. 199 f£.
Es fehlen also von Enkeln des Hervis, welche Chanson de Hervis
(NT) kennt, in Chanson de Garin: Mauuoisin, der Sohn von Dos Ii
veneres, Gerin von Anjou, Rigaut, Morans, Rouselins, Flores und Anseıs, -
d. h. abgesehen von Gerin von Anjou, welcher wohl nur aus Girart de
Liege oder aus Garnier de Droe entstellt ist, lauter ‚vilain‘ männlicher-
seits. Der drei letzten geschieht übrigens meines Wissens nirgends im
Garin Erwähnung. Von Enkeln des Hervis, welche Chanson de Garin
erwähnt, fehlen dagegen in Chanson de Hervis: Girars de Liege, Hues
del Mans, Garniers de Droe.
29
der Pabst Anordnungen zu seiner Hülfe treffe, widrigenfalls er
droht, zu entfliehen: und das Land seinem Schicksal preiszu-
geben. (Tir. 88). Der Pabst, welcher Karls Forderungen für
gerecht erachtet, fordert die anwesenden Geistlichen auf, von
ihrem Vermögen soviel, als zur Ausrüstung genügender Streit-
kräfte erforderlich, zu opfern. Diesem Verlangen wird jedoch
seitens des anwesenden Erzbischofs aufs entschiedenste wider-
sprochen; er fürchtet, es könne zur Gewohnheit werden, bei
allen derartigen Anlässen die Geistlichen in dieser Weise her-
anzuziehen. (Tir. 89). Schon droht Zwiespalt unter der Ver-
sammlung auszubrechen, als der Abt von Gluigni ‘das Wort
ergreift. Er macht dem Erzbischof bittere Vorwürfe, dass er
ihnen die Gelegenheit zu einer guten That abzuschneiden im
Begriff sei, und erklärt es schliesslich für besser, wenig zu
opfern , als durch Hartnäckigkeit alles aufs Spiel zu setzen. So
kommt trotz der Einsprache des Erzbischofs eine Einigung zu
Stande. Karl erhält nicht nur Rosse, Rüstungen und Gold,
sondern auch auf 7'!/s Jahre die Zehnten und Zölle, gegen das
_ Versprechen, dieselben nach Ablauf dieser Zeit zurückzugeben.
So war es möglich ‚binnen kurzem 9000 kampffähige Ritter
auszurüsten.
b) Fortschritte Girart’s von Rossillon. (N fo.41f, Tfo..
173c ff). Unterdessen hat Girart den schönsten Teil Frank-
reichs bis Bar sur Aube eingenommen und dort sein Stand-
quartier aufgeschlagen. In Soissons, das gleichfalls erobert
ist, hat er eine Besatzung von circa 30,000 Mann zurück-
gelassen. Sodann kündigt er Karl durch einen Brief an, er
werde demnächst mit seinem Heere vor Paris erscheinen und
_ die Stadt erobern*). Bestürzt über diese Nachricht, beruft Karl
*, Wir kennen seit kurzem auch eine lateinische Legende von Girart
de Rossillon, welche durch P. Meyer in der Romania VII, 161 ff. ver-
öffentlicht ist. In derselben wird p.189. erwähnt, dass Girart den König
bis nach Paris hineingetrieben habe, worauf dieser sich durch die Er-
scheinung eines Engels zur Abschliessung eines Friedens mit Girart
30
rasch einen Kriegsrat, welchem ausser seinen 12 Pers auch .
seine Ratgeber Hardres, Vater des in der Folge 50 gefürchteten
Fromont, Aloris d’Aspremont, dessen Bruder Thierry, Amaugis
"und viele andere beiwohnen. (Tir. 90.) Karlteilt der Versammlung
die Drohungen Girarts mit, unter Hinweis darauf, dass den
ihm zu Gebote stehenden Streitkräften gegenüber selbst die
9000 Mann des letzten Aufgebots kaum genügten. Dennoch
erklärt er sich bereit, den Kampf aufzunehmen, wenn man
ihm einmütig mit Rat und That Beistand leisten wolle. Unter
diesen Verhältnissen schlägt Hardres vor, den in vielen Kriegen
rühmlichst erprobten Hervis von Mes um Hülfe anzugehen.
Nach umständlicher Erzählung der Geschichte seiner Herkunft,
wobei nicht unerwähnt bleibt, dass Hervis’ Vater von gemeiner
Abkunft*) gewesen sei, rühmt er Hervis’ Kriegsthaten, sowie
seine segensreiche friedliche Regierung und schliesst mit der
Versicherung, dass im Falle seines Beistandes Girart bald
niedergeworfen und ganz Frankreich beruhigt werden würde.
Karl, dem besonders die nicht adelige Herkunft Hervis’ an-
stössig ist, zögert anfangs, auf Hardres’ Vorschlag einzugehen.
‚Wohl habe ich Ursache, traurig zu sein‘, ruft er aus, ‚da ich
um eines einzigen Mannes willen in solcher Verlegenheit bin‘.
Erst nach abermaliger weitläufiger Auseinandersetzung der
verwandtschaftlichen Verhältnisse des Hervis stimmt Karl zu..
(Tir. 91.) Darauf befiehlt er, dass zu den Bischöfen von St. Denis,
Orliens und St. Germain, die man auf Hardres’ Vorschlag mit
der Botschaft an Hervis beauftragen will, geschickt werde.
c) Botschaft an Hervis. (Tir. 92) (N fo.42h, T fo.174a ff.).
Die drei Prälaten erscheinen alsbald mit grossem Gefolge am
verstanden habe. Etwas ähnliches ist der uns erhaltenen provenzalischen
Chanson von G. de R. nicht bekannt. |
*) Nes est de Mies, Heruis avoit a non
Rices dauoir sa damis a foison
De par sa mere Aelis a chief blont
Mes li siens peres fu vilains ce dist on.
T. 173, 4,
31
Hofe und treten vor den König, der sie in feierlicher Audienz
empfängt. (Tir.93.) Kaum haben die Verhandlungen begonnen,
als abermals ein Bote von Girart eintrifft, um mitzuteilen,
sein Herr werde in aller Kürze vor Paris erscheinen und die
Stadt erobern. Zugleich fordert er Karl in dronendem Tone
zu einer Schlacht heraus, die im Thale von Sousloon geschlagen
werden soll. Die Botschaft stimmt den König nachdenklich,
weshalb er sich zu ihrer Beantwortung eine kurze Bedenkzeit
vorbehält. Auf Ersuchen Karls, ihre Meinung zu äussern,
ergreift nach Abtreten des Boten Miles — seither noch keinmal
erwähnt — das Wort. In Anbetracht der Aussicht auf Hervis’
Unterstützung. geht sein Rat kurz dahin, die Herausforderung
.Girarts anzunehmen und am festgesetzten Tage auf dem Kampf-
platze zu erscheinen. (Tir. 94.) In diesem Sinne bescheidet
dann auch Karl den inzwischen wieder hereingeführten Boten,
indem er ihn beauftragt, seinem Herrn mitzuteilen, dass er
zwar die Schlacht annehme, ihm jedoch, wenn ihm sein Leben
lieb sei, rate, statt dessen lieber nach Paris zu kommen und
ihn fussfällig um Gnade zu bitten. Im Abgehen meint der
Bote sein Herr werde lieber die grössten Qualen erdulden , als
sich zu einer solchen Demütigung verstehen. Es wird nunmehr
von Hardres auf schleunige Absendung der Botschaft nach Mes
gedrungen. (Tir. 95). Der Bischof von Orleans istsehr erfreut,
als er hört, dass es Hervis ist, zu dem er sich begeben soll.
Derselbe gehört nämlich zu seiner Verwandtschaft, da Herzog
Pieres von Mes ein Sohn seines Oheims ist. Auch rühmt der
Bischof bei dieser Gelegenheit Hervis’ Tapferkeit durch Erzählung
' einer uns bekannten Episode aus des Herzogs Jugendzeit. Es
handelt sich nämlich um die bei Hub p. 22 erzählte kühne
Befreiung der in Räuberhände gefallenen Geistlichen, deren
einer der Bischof selbst gewesen ist. (Tir. 96.) Nachdem Karl
sie mit dem Zweck ihrer Sendung bekannt gemacht und rasch
die zur Reise erforderlichen Vorkehrungen getroffen sind, er-
halten die Gesandten Abschied von ihm und begeben sich auf
den Weg: (Tir. 97). Ihre durch keine weiteren Abenteuer unter-
32
brochene Reise führt sie auch über Verdun, 'wo sie an einem
Samstag ankommen und anhalten, um dort den ihnen bekannten
Erzbischof Lancelins zu besuchen. Eingehend von ihm über
den Zweck ihrer Sendung befragt, tragen sie kein Bedenken,
ihm die ganze Wahrheit unverholen mitzuteilen. Am andern
Morgen, als sie sich zur Weiterreise anschicken wollen, werden
sie von Lancelins mit Rücksicht auf den Sonntag, an dem zu
reisen ilınen nicht gezieme, bewogen, ihren Aufenthalt um
einen Tag zu verlängern. Den so gewonnenen Zeitraum be-
nutzt der Erzbischof zur geheimen Absendung eines Boten nach
Mes, welcher :Hervis von der bevorstehenden Ankunft der.
Prälaten, sowie dem Zweck ihrer Reise in Kenntnis setzt. Bei
den Mitteilungen desselben bricht der Herzog in ein lautes
Gelächter aus, trifft aber doch Vorkehrungen zum würdigen
Empfang der Gesandtschaft. Auf die inzwischen eingetroffene
Kunde von ihrem Anzuge eilt er ihr entgegen und führt sie,
nachdem auch für das Unterkommen des Gefolges gesorgt ist,
in seinen Palast. Hier harrt der Bischöfe freundlicher Empfang
und gastliche Bewirtung von Biautrix, ebenso bemüht sich
die Bürgerschaft, ihnen ehrfurchtsvolle Huldigungen entgegen-
zubringen. |
Nach Besuch der Messe geleitet Hervis am folgenden
Morgen die Gesandten in den Palast zurück, wo er sie abseits.
führt und nach dem Zweck ihrer Sendung befragt. Nachdem
sich ihm der Bischof von Orleans zuvor als seinen Verwandten
und ehemaligen Schützling zu erkennen gegeben, offenbart er
ihm Karl Martels kritische Lage und bittet vereint mit seinen
Genossen um Hülfe. (Tir. 98.) Hervis jedoch, wenn auch längst
entschlossen, eine so günstige Gelegenheit, sich Ehre und
mächtige Freunde zu erwerben, nicht unbenutzt vorübergehen
zu lassen, gefällt sich längere Zeit darin, die behäbigen Prälaten
durch ausweichende Antworten auf die Folter zu spannen.
(Tir. 99.) Insbesondere setzt er sie durch die Frage in Verlegen-
heit, ‚weshalb sie nicht längst schon selbst zum Schwerte ge-
griffen und das ihrige dazu beigetragen hätten, den Feind
33
niederzuwerfen und verspottet sie wegen ihres müssigen Lebens-
wandels. Zugleich deutet er an, dass er auf Abstellung dieses
Übelstandes dringen würde, wenn sie seine Unterthanen wären.
Endlich aber trägt er ihnen doch auf, Karl Martel seine Bereit-
_ willigkeit zur Hilfe, zu melden. Bei dem nun folgenden
Mahle, fügt der Dichter ironisch hinzu, ‚hätten Bischof und
Äbte wenig gesprochen und noch weniger genossen in Anbe-
tracht dessen, was Hervis über sie geäussert hat. Auch auf
dem nun. folgenden Rückwege denken sie, da einer noch feiger
ist, als der andere, an nichts anderes, alsan die Möglichkeit, mit
in den Kampf ziehen zu müssen und kommen schliesslich
überein, lieber aus dem Lande zu flüchten, als in eine ‚der- |
artige Zumutung zu willigen.
d) Hervis’ Kriegsrüstungen. (N fo.43c, 7 176a ff). Auf
Hervis’ Aufgebot sammelff sich rasch zahlreiche Krieger unter
erprobten Führern, wie dem Grafen von Bar, dem Herzog
Sanson von Monmiral (Monroial N), dem Grafen von Montbliaut
(Montbeliart N) u.a. in Mes. Nachdem dieselben rasch ge-
ordnet und verproviantiert worden sind, setzt Hervis den Tag
für den Abmarsch fest. Seinem Schwiegervater, dem Profosen
Thieris überträgt er zuvor während seiner Abwesenheit die
Führung der Regierungsgeschäfte und weist ihm für den Fall
eines Krieges Gelder zum Anwerben von Söldnern an.
In der Frühe des darauf folgenden Morgens findet der
'Abmarsch statt. Hervis ordnet seine gesamte Streitmacht in
4 Abteilungen, deren eine der Graf von Bar, die andere der
Herzog Sanson von Monmiral, die dritte der Graf von Montbliaut
und die vierte der Graf von Aspremont anführt. Sein
gonfanon trägt Thieris, sein zukünftiger Schwiegersohn.
(Tir. 100.) Unterwegs befragt der Graf von Bar den Herzog nach
dem Zweck der Unternehmung, den ihm derselbe jedoch vor-
läufig verheimlicht. Dagegen ermahnt er alle, wenn es zur
Schlacht komme, tüchtig mit dem Schwerte dreinzuschlagen,
34
e) Tod Girarts von BRossillon. (Tir. 101.) N fo. 43d,
T 176c ff.).. Inzwischen sind die Gesandten von Mes nach einer
. möglichst beschleunigten Reise in -Paris eingetroffen und werden
von Hardres und Aloris vor den König geführt. Kaum haben
sie dort den günstigen Erfolg ihrer Sendung geoffenbart, als
ein unvorhergesehenes Ereignis die Lage der Dinge mit einem
‚Schlage total verwandelt. Dasselbe besteht in dem plötzlichen
Dahinscheiden Girarts. Die unerwartete, vom König anfangs
angezweifelte Kunde bekräftigt ihr Überbringer mit den Worten:
„no wahr ich auf Gottes Schutz rechne, Girart ist tot, es ist
reine Wahrheit‘, und fügt, um sich eine gute Belohnung zu
sichern, hinzu: ‚Um Euch die Botschaft zu hinterbringen, habe
ich 2 Pferde abgetrieben und getötet, denn ich wollte nieht,
dass Ihr länger in Besorgnis wäret‘. (Tir. 102.) Bezüglich der
Einzelheiten von Girarts Tode erfahren wir noch, dass derselbe
auf seinem Sterbebette gebeten habe, jemanden an Karl zu
- senden, um von ihm Verzeihung und Gnade zu erflehen, mit-
hin im Tode sein schweres Unrecht gesühnt habe. Drei Tage
nach seinem Ende sei er sodann in Bar sur Aube, wo er eine
Abtei gegründet hatte, begraben. Nachdem dem Boten für
seine Meldung 2 prächtige Rosse nebst 500 Mark Geldes auf
Befehl des Königs behändigt worden sind, verlässt derselbe
hocherfreut den Hof.
f) Hervis’ Ankunft bei Hofe. (N fo. A3f, 7 fo. 177 aff.)
Zur selbigen Zeit stellt sich ein Bote von Hervis ein, mit der
Meldung, dass der Herzog mit seinem Heere in Lagni stehe.
Deshalb schickt ihm Karl am andern Morgen einen Boten
entgegen, der Hervis bereits vor den Thoren der Stadt Paris
stehend antrifft. (Tir. 103.) Sein trefflich ausgerüstetes und wohl
discipliniertes Heer erregt bei seinem Einzuge allgemeines Auf-
sehen. Selbst Karl ruft bei seinem Anblicke aus: ‚Wehe mr,
wenn solch ein Fürst gekommen wäre, mich zu bekriegen‘.
Darauf geht er dem Herzog entgegen, umarmt ihn und führt
ihn in den Palast, wo er sich auch die obersten Heerführer
35
des Hervis vorstellen isst. Nachdem der König noch einmal
ausführlich das Ende Girarts erzählt, vereinigt ein festliches
Mahl sämtliche Anwesende. |
Die nun noch folgenden Schlussworte der Handschrift greifen
eigentlich schon in die Chanson de Garin le Loherain über,
insofern sie uns bevorstehende Ereignisse in derselben im voraus
andeuten. Dieselben lauten folgendermassen: |
Karles Martiaus a grant joie mene
I cuide bien auoir tout, aonquestet
Mes en poi deure aura son cuer iret
Naura repos sert (ci ert) en terre boutes
Paien et Wandes que Diex puist mal donner (vergonder)
Roys Bucifans, Buiemons et Tangres
Et lamustans de Corde la cite
Et .XV. roi saracin et esoler
Orent destruite sainte crestiente
Toute la terre ou Jehsus fu poses
Et le sepucre ou fu enuolepes (ses cors fu posez)
Et ont lor Diex mult durement jures
Que il venront en France le regne
Ne (Si) ni lairont ne moustier ne autel
Li rois sera fors de Paris getes
Ne li lairont castel ne fremete
Et sil est pris il ne puet eschaper
Que il (il fehlt N) ne soit ocis et (ou) afoles.
Die Absicht des ÜberarbeitersbeiEinschiebung des vorstehend
analysierten Zusatzes ging, wie bereits oben angedeutet, darauf
hinaus, die Widersprüche zu beseitigen, welche sich einer Ver-
einigung der Chanson de Hervis de Mes und der Chanson de
Garin le Loherain entgegen stellten, und zu deren Beseitigung
Änderungen in letzterer sich nicht anbringen liessen. Hierbei
handelte es sich hauptsächlich um zwei Punkte, denen je ein
Teil des Zusatzes gewidmet ist, nämlich erstens um Vervoll-
'ständigung der Nachrichten über Hervis’ Nachkommenschaft
und zweitens um das Hereinziehen des fränkischen Königshofes
in den Rahmen des Gedichts. Wegen des ersten Punktes hält
der Überarbeiter am Schlusse des ersten Teiles des Zusatzes
an, um zu erzählen, dass in diesem 18 Jahre andauernden
36
Zeitraume dem Hervis noch 7 Töchter geboren seien, die er in
der oben (p. 26) angegebenen Weise verheiratet habe. Abge-
sehen davon, dass es an sich schon auffällig, wenn auch nicht
unmöglich sein würde, dass dem Hervis nach so langer Unter-
brechung — Garin und Begon sind ja bereits erwachsen —,
noch 7 Töchter der Reihe nach geboren werden, widerspricht
diese Angabe auch sonst der Überlieferung. Denn unter Hinzu-
rechnung der bereits früher erwähnten Tochter des Hervis
(Hub p. 17), die ihm schon im 3. Jahre seiner Ehe geboren
wurde, würde sich die Zahl seiner Töchter auf 8 belaufen.
Das aber kümmert den oberflächlichen Überarbeiter wenig.
Nachdem er gesagt hat:
Dedens cel terme signeur (baron) que je vous di
Ot il .VIL filles de sa fame gentil,
rechnet er bei Aufzählung der Töchter der Biautrix, die früher
geborene mit zu den 7 in diesem Zeitraume geborenen und
gleicht die dadurch erwachsende Schwierigkeit durch still-
schweigende Auslassung der 5. Tochter aus. Nach Aufzählung
der 4 ersten fährt er nämlich fort: |
Et la sisime ot li vilains Heruis (Heluis)
Qui fillieus fu le bon prouuos Thieri.
In diesen Zeilen liegt wiederum ein Widerspruch zu Garin
le Loherain vor, denn zufolge der Überlieferung von ABCEFM
ist der ‚Vilains Heruis‘ filluse des Herzogs Hervis. Im
übrigen sind die Nachrichten über Hervis’ Nachkommenschaft
im einzelnen noch mehrfach verschieden von der ursprünglichen
_ Überlieferung, wie aus einer Vergleichung der p. 26 aufge-
stellten beiderseitigen Stammbäume leicht ersichtlich ist. Ich
bemerke dazu nur noch, dass sich die dort vorhandenen
Varianten an keine der mir zugänglichen Handschriften an-
lehnen und demnach der eigenen Erfindung des Überarbeiters
zuzuschreiben sein dürften *).
*) Dass übrigens der erste Theil des Zusatzes einige Züge des
ursprünglichen Hervis bewahrt, welche die am Schluss gewaltsam ge-.
kürzte Hs.. X unterdrückt hat, zeigt v.
37
| Um den zweiten Widerspruch zu beseitigen und den
fränkischen Königshof mit in den Rahmen des Gedichts hin-
einzuziehen, schien dem Überarbeiter die mehrfache Erwähnung
_ Girarts von Rossillon im Eingang des Garin le Loherain geeignet.
‘“ Dieser hatte mit Karl Martel langwierige Fehden geführt *). In
*, Die Stellen, wo die Überlieferung der an le Loh. Girart von
Rossillon erwähnt, sind folgende:
1. Bereits im Eingange des Gedichtes berichten O Q (letzteres nach
Mone, Unters. zur Gesch. d. teutschen Heldensage) S (nach einer Notiz von
Herrn Naumann) 5 (nach einer Notiz von Herrn Dr. Fleck), dass Karl
Martel durch den langen Krieg gegen Girart von Rossillon in die grösste
‚Ohnmacht versetzt . worden sei. ABCEFN erwähnen ihn anfangs
nicht, ebensowenig Paris’ Druck. Wehl aber dessen neufz. Bearbeitung
. des Gedichts. (Dieselbe scheint, soweit es sich aus dem Eingange be-
urteilen lässt, zum grössten Teil auf Q$ zu beruhen. Jedoch finden sich
auch Stellen, wo sie mit der Gesamtüberlieferung gegen Q S geht, z.B.
gelegentlich des Angriffs von Mes durch die Sarazenen, wo Hervis an den
' Hof Pipins geht, und dort vergeblich um Hülfe fieht. Nach Q S wurde
diese Mission durch eine Botschaft ohne Hervis ausgeführt.
2. A fo. Sa—= BCEFGN hat
Apres la mort Girart du Roussillon
Vindrent en France (Vindrent ensamble £) paien et esclauon.
Paris hat die Stelle weder in seinen Druck, noch in seine neufranzösische
Bearbeitung aufgenommen.
3. Die entsprechende Stelle zum Druck p. 53, 19 ‚Tant a Gerars
qui le Rossillon tint‘ lautet:
A: Ce fist Gerars qui tot mist a essil
BCEFM: Ca (Sai E SiM) fet' Gerars qui uostre regne (terre E) tint
(qui le regne maintint F')
4. Die zum Druck p. 76, 17: ‚Envers le duc Gerart guerroia il‘:
ABCEMO: Enuers le duc Gerart guerroia il (guerre acoilli A)
De Rossillon qui tant fu posteis (qui grant painne soufri A)
der zweite Vers fehlt EM
5. Entsprechend dem Druck p. 81, 5 ‚Par Dant-Gerard qu’est de
-Roucillon nes‘ lesen:
AM: Ce fist (Sa fa) Gerars de Rousillon fu nez
BC: Ca fait (Ce fet) Gerars qui (quest) de Rosellon ert (nez)
EO: Se fa (Qua fet) Girars de Rousillon li beirs
3
38
der, p. 29. Anm., erwähnten lateinischen Legende ist zwar
nicht Karl Martel sondern Karl der Kahle Girarts Gegner.
Indessen klingt die Erwähnung der Verfolgung Karls bis nach
Paris hinein (p. 189), sowie die Stiftung des Klosters Verzelai
durch Girart, Züge, die der uns erhaltenen provenzalischen
Chanson unbekannt sind, zu sehr an unsern Zusatz p. 29 und
p. 3% an, um nicht annehmen zu dürfen, dass dem Verfasser
unseres Zusatzes eine auf einer älteren Fassung der provenz.
Chanson beruhende Version des Girart vorgelegen habe, wodurch
P. Meyers a. a. O. S. 177 ausgesprochene Vermuthung: ‚Mais
il est possible, cela est mäme probable, que dans la redaction
plus ancienne se soit trouve le recit que l’auteur de la Vie
latine a resume‘ nur an Wahrscheinlichkeit gewinnt. Was
nun die Hereinziehung der Episode ‚Girart‘ in das Gedicht
selbst betrifft, so erweist sie sich auf den ersten Blick als eine
gewaltsame und ungeschickte. Unwahrscheinlich klingt es an
sich schon, dass Karl, nachdem er auf dem Concil zu Lion
reichliche Unterstützung von seiten der Geistlichkeit, wenn auch
widerstrebend, gefunden hat, sich durch eine blosse Drohung
Girarts so einschüchtern lässt, dass er sich abermals nach
. weiterer Hülfe ängstlich umsieht. Dann aber, nachdem er sich
zu diesem, in gewisser Hinsicht demütigenden Schritte ver-
standen, erweist sich derselbe durch Girarts Tod vollständig
überflüssig und Hervis Zug nach Paris bleibt eigentlich unmo-
tiviert. Gewaltsam aber verfuhr der Überarbeiter auch insofern,
als er dem altenEingang desGarin eine Anzahl Stellen fast wörtlich
entlehnte, um sie in gänzlich verschiedenem Zusammenhange
anzubringen. Der Wortlaut dieser Stellen steht unter den
mir zu Gebote stehenden Handschriften im ganzen dem der
Handschrift E am nächsten (d. h. also der Handschrift, in
welcher zwar der Hervis dem Garin leLoherain voraufgeschickt
ist, aber ohne dass darum beide Gedichte innerlich verknüpft
‘wären, ja ohne dass der Theil der Handschrift, welcher den
Hervis enthält, eigentlich mit dem Haupttheil enger verknüpft
wäre, als durch äusseres Zusammenbinden. Schriftzüge und
39
Dialekt beider Theile sind aber identisch). Der Überarbeiter
von NT hat aber, wie mancherlei Übereinstimmungen mit
andern Hss. zeigen, die Hs. E selbst offenbar nicht benutzt, wohl
wird ihm jedoch eine E sehr nahe stehende Redaction bei Abfassung
seines Werkes vorgelegen haben. Ich teile dieselben im folgenden
unter Gegenüberstellung des Textes von E, dem ich die
Varianten von ABCFMOQ, anfangs auch von JS, zuletzt
von @, beigebe, mit, da sie uns den sichersten Beweis liefern,
dass die den Hervis und Garin verbindende Girart-Episode keinen
Anspruch auf Selbstständigkeit und Ursprünglichkeit hat.
Nach den Eingangsworten liest E fo. 89a, 21:
21 Et il auoit grant paor de morir
Ne regardoit son peire ne son fil
Ne son parent ne son germain cousin
24 As moines noirs que sains Beneois fit
Donnoit sa terre et rantes et moulins
Nen auoit terre la fille ne lı fiz
27 Et partant fu li mondes apouris.
Varianten: 21—=ABFJ OuilC|que sans Bernars assist F’ qui erent
Et il sentoit qe il deuoit morir O |(furent) a cel di ist umgestellt mit
Quant estouoit le preudome morir 0 125 Q 8
fehlt S | 25— F Et de C Donna M 1a A
22 regarda J le gardoit © son jettrestot son pais B Anscois donoit
frere ne son fl ABC’ JMORQ ne |son for et son molin Q8
son p. ne. son f. $ Nel regarda ses| 26=JM Nenauoitrien ABFO
freres ne ses filz F’ Ne lauroit rien C fehlt QS.
23=BCJMOQS Fame nenfanz| 7=CFJMO Etpar ce fu li
ne oir de lui isist A Ne ses parenz |mons si a. A Et por itant fu li
ne ses germains cousins F’ mons a. B Li oir (Si home) en
24 BMO Trestout laissoit pour | furent dolent et apourit Q9S
amour Ihesucrist A Par les pooirs C
Fast die gleichen Zeilen finden sich 7173a 40; NMa 45fl.:
40 Que je (bien) cuidai tout a estrous morir
Ne regardai mon frere ne mon fil
Ne mon parent ne mon germain cousin
43 As moines noirs que S. Beneois fist
Donnai (Laissai) ma terre et rentes (rente et terres) et moulins
Que nenot terre li grans ne li petis
bl Neli cousins la fälle ne li fis
Et partant sui durement apouris. (Die Fortsetzung s. $. 44).
EL’
Der Unterschied ist nur der, dass wir sie hier in directer
Rede aus Karls eigenem Munde hören, während im Chanson
de Garin der Dichter orientierend über die vorangegangenen
Ereignisse, welche Karls Unglück herbeigeführt haben, referiert.
Im ersten Falle ist das Goncil zu Lion berufen, um Mittel zur
Abwehr der Wandres zu beschaffen, im zweiten Falle aber,
um Hilfe gegen Girart von Rossillon zu erlangen.
‚ Die nächsten Zeilen in E 89b:
1 Et li clergie furent si enrichi
Quelle en dut estre torneie a desclin
Se damedex concel nen i meist
Varianten: 1—=BCJ MO Que|dut estre a essil A vgl. später: Les
li clergiez si en fü e. F clergiez| abeyes tornerent a declin Q8
en fusie 4 Eliclere (Li clere| 3==M ni eust ce. mis B c.»i
sunt) riche et li moine autresi Q$ |eust mis ACFJO In QS durch
2 Gaule OF@MO Tornee en dut | 14 abweichende Zeilen ersetzt.
estre France ad. B K. Martiax en
fehlen in NT, die dann in E 89b folgenden:
4 K. Martiaus fu forment apouris
A lapostoile en auoit .I. ior prins
Droit a Lions qui sor le Rosne cist
7 Vint lapostoile contre Charlon son fil
La veissies de clers bien .IIIl. mil
Tant en i a ia consaus nen iert prins
10 Et lautre peule qui assambla enqui
De cheualiers i ot plus de .XX. mil
Mais il nauoient palefroi ne roncin
13 Ne armeure foırs les bran acerins
Des anciens hommes i auoit moult petit
Et les pardles commencent a uenir
16 Sire apostoiles, K. Martiaus a dit
Por cel signor qui en la crois fu mis
Aies pitie et de moi et de ti
19 En tel maniere que ne soiens honni etc.
Varianten: A—= BCJMO fehlt| 6—=ABCFOQS fehlt M
A entrepris F Charles Marteau| 7=ABCOFMO fehlt OS
en fu moult effreis (forment pensis) | 8 plus de IL mil ABCFMO
Il a mande lapostoile Thierri | Quil |La sont ensamble li grant et li
(Que) le secore por dieu e por |petit (La s. Francois et remes et
merci O8 garni) Et un etautre qui dıu doiuent
5 BUMO A lapostoille .L. par- |seruir (orent serui) 98 ns
lement en prist A E lapostoiles en | 9 ot ABO jacontesnen B ia
a parlement pris QS fehlt F c. n. iert porpris C. Tant i ot
4
moines F' nen sai faire deuiss um-| 13=FM Ne arme nule ABO
gestellt mit 10 O fehlt 98 fors le brant acerin A
10 Edautre (vgl.9)0 iqui CFMO,| 14—=M Des h. uiex ABCFO
fehlt AB Charl. Mart. i ot de ses|Des viellars h. i ot il molt petit
amis die folgenden Zeilen fehlen| ABCFO
oder weichen gänzlich ab Q 8 .15=ABCFMO
1=BFMO Et dautre pat| 16=ABCFMO
bien cheualiers .xx. mil A .VIL| I7=CFMO Poricelde A Por
mil C amor deu ki onques ne menti B
12—=ABCM Mesnena. O Mes| 18=FM Aies merci ABCO
nauoient ne destriers ne roncins |et de vous et de mi C et de toi
Ne palefroiz ne muls arrabiz Escu |et de mi O |
ne heaume ne bon hauberc tresliz ?!i 19=ABCFMO
finden sich in 7 173a 10; N 4l1d 10ff., also an frühererStelle *),
wieder:
10 Kl. Mart. fu forment (A eh meruelle fü Kl.) apouris **).
A lapostolle en auoit .I. jour pris
Droit a Lions qui sous (sor) le Rosne sist
13 Vint lapostole contre Karlon son fil
La ueissies de clers bien .III. mil
‚Et moult grant peule qui asambla ichi
16 Tant en i a (vint) ia consaus nen ert (nen iert consax) pris
De cheualiers i ot bien (plus de) .xx. mil
Mais il nauoient pallefroi ne ronchi
19 Ne armeure (arme nulle) fors les brans acerins
Des anchiens houmes i auoit moult petit
Et les paroles commencent a uenir
22 Quant a Lions sont asamble ensi
‚Sire apostolles‘, Kl. Mart. a dit
Por le signour qui en la crois fu mis
25 Aies pite et de moi et de ti
Et tel maniere que ne soions honni.
*) Voraufgehen in NT folgende Zeilen: Ieil Ger. baron dont ie
vous di | Fu si de guerre doctrinez et apris | Quen grant pouerte Kl-
(roi Kl.) Mart. mist | De toute hounour ne li laissa tenir | Fors que Paris
et Orliens ce mest vis.
**) In N folgen hier noch: Et non porquant Kl. en chaca il | XVlanz
itant le fist languir | Et pus rout il sa terre ce mest uis | Si rafrema la
guerre et li estris | Dont il morurent maint cheualier gentil. Man vgl.
hierzu QS 2. 7 fi.: Li dus Gerars ot gaste le pais | Por roi(dant) Martel
dont vos aues oit | Plus de XV ans se guerroierent si | Que maint preu-
dome en conuint a morir. Auch hier scheint also wie an anderen Stellen
N einer zweiten, QS nahestehenden Vorlage gefolgt zu sein; vgl. 5.13.
N
42
Es folgen nun einige Zeilen, die mehr von einander ab-
weichen, in denen Karl über seine Feinde spricht, die nach E
die Wandres, nach NT Girart von Rossillon sind. Auch sie
zeigen aber, wie sehr der Überarbeiter bestrebt ist, dem Text
seiner Vorlage möglichst treu zu bleiben. E89b fährt fort:
20 Ne sai quel gent sont vers moi enuai
Ars ont ma terre et destruit mon pais
Par deuant moi font mes chastiaus croisir
23 Que ie-nel puis endurer ne souffrir
Et ains mostiers font les cheuaus gesir
Ou diex de gloire deust estre seruis
26 Et les prouoires escorchent il tos vis
S ont archeuesques et euesques ocis
De cheualiers autresi tel .xx. mil
29 Nauoient armes palefrois ne roncins.
Varianten: 20 sont ca uenu sor| 25=BCFMO Ou dame dex A
mi ABCO si sunt venu sor mi F| 26= ABCMO trestoz vis F
sunt sor moi enuai M 27—=BCFMO fehtl A
21 Arse ABCFMO 28 Des MO aiichifie ci A) tels
2—M Etd. ABCF ontmes,ABC ailei tex F Encor a ci che-
chastiax croississ AB sunt mi |ualiers ‚xxx. mil
chastel croissi F’ Tresdeuant moi viQO| 29— M Nont palefroi ne cheual
23=M Que ie nes (ne les O)|ne roncin AC Nont palefrois ne
oi tenser ne garantir ABCO !chevaus (destriers F}}) ne BFO Qui
u ie ne puis amender ce mest |nont cheual palefroi ne roncı folgen
vis F Ne armeure por lor cors garantir
24 Ens es m. ABCMO Car es| Por aus deffendre por autrui asalır &
m. F font lor ch. BF |
Dafür bieten T 173a 97; N Md 39 ff:
27 Durement sui en ma terre amatis (apouris)
Pour .I. seul homme qui destruit mon pais
Mais il est si (sire il est) de guerre tant (si) apris
30 Par deuant moi fäit mes chastiaus croisir
“Et es moustiers fait ses cheuaus gesir
V diex de gloire deust estre seruis
33 Dont est chis hons lapostoles a dit
Qui en tel guerre a si uo terre mis
(Qui si destruit vo terre et vo pais)
De Rouselon sire si com ma (Kl.a) dit
«36 Sa non Gerart cheualier est hardis |
Dius (Dieux) est de guerre cheuulier est de pris (diable lont si apris)
Veschi mes houmes qni moult sont apouri
39 la fu .lL. jours maladie me prist.
2
43
Hierauf folgen in NT die S. 39 abgedruckten Zeilen.
in E 89b obiger Stelle folgenden Zeilen:
30
cl
Den
Prenes conseil bon et leaul et fin
Par coi se puissent saueir et garantir
Ou se se non je vos rans le pais
Si men ira com uns autres chetis
4 Cil sunt dolant cont la parolle oi
Ni a celui qui ne fuit esbahis
Ou ne plorast des biaux iex de son uis
7 Li apostoiles sen est en pies leueis
Tenrement plore sa sa gent apellei
Signor clergie quel conseil me donnes
10
II est bien drois que del vostre i metes
Et faites tant que il soient arme
‚Des biaux cheuaus corans et alarmeis
13
Vos estes riche bien soffrir le poes
Li archeuesques de Rains cen est leues
Sire apostoiles quest ce que dit aues
16
Se ne deuries por mil mars dor penseir
Qui meissiens .II. deniers menoeis \
, Car a toujors seroit acostemes
19
Varianten: 30 — ABCFMO
Bien le sachies se consaus nen est
pris Crestientes en ira a declin
die folgende Tir. und die 15 ersten
Zeilen der nächsten fehlen Q
cl—=(CM Felt A Par quil se
puissent saluer et garantir FO
folgt: De cele gent qui nos ont
‚ enuaiz 0
2a == ABCFMO folgt: Car je
nel puis tenser ne garantir M
3 Si men fuiri ABCFO Ains
men irai M
4— ABFMO Dolent sont tuit|
quant ice ont 01 C
5—BCOFM NiotO nen
6—ACMO Et nen BF
7—ACFMO Adont sen est
lapostoles leues B
solt A
8— (MO ses clers a apellez A
sa ses genz apellez BF
9—M Segnor dist il BC donrez
AFO
10—=ABCFMO
Tuit se descordent dou consel sont tornei
1l Car faisons tant AB ke
cascuns soit armes B Et faisons
tant CFMO
12 De (SorC) b. CF M De bons
destriers O Et cheuax aient A coranz
et abriuez ACFMO De beles armes
de cheuaus abrieuez B
13 —ABCFMO
14—= BCM O Larceuegues de
Rainz A sen est,en piez leuez AF
folgt: En haut parla com ia oir
porrrez A Quant il parole si fu
bien escotez O
15=—=ABCFMO
16 Ce com ne doit M n ne
seroit A Ne convenroit BCF OÖ
pesez ABCFO
17—ABCO Que meissies M
JIId F
18 —F Qa 4 toz iorsmais AB
seront AM O
19—=AB TIse F_ Tuit sen M
Tuit se drecerent C d. sen uoloient
torner O
44
Quant lapostoiles les a tos apeles | | i
K. martiaus biaus filz auant venes Er i
22 Se mait dex ie ni puis riens trouer ;
| Qe il i metent .I. denier menoie
Que ne serai donques.por deu de maiste
25 Dons.est perdue sainte crestientes. | ;
20=CFMO Et lapostoilles en; 23=CFM Ni uoellent metre AO
fu forment irez A Li apostoiles a |.II. deniers monaez AB
le roi apele B 24=—M OQen sera dont ABCF_
2i=(CFMO biax sire A dist|Si maist dex ce dit K. li ber O
lau DB 2>— M Dont ACMO Donc F
2=AFMO je nenC p.fint.B |iert perdue AC est destruiteO Siert
dont perdue B ‚
entsprechend lesen 7 173b 5; N 4e 5*): |
5 Prendes conseil bon et loial et fin |
Que il (comment) se puissent sauuer (tenser) et garantır
V se ce non je uos rent uo pais
8 Si men fuirai conme .I. antres chetis
Chil sont dolant con le parole oi
Ni a chelui qui nen fust esbahbis
11 V ne plorast des biaux jex do son uis |
Li apostoles en est em pies leues | n
Tenrement pleure sa sa gent apelle (sa gent a apele) | 2
14 Signour clergie (dist il) quel conseil me donres | |
(folgt: Qui lor granz rentes et lor terres tenez)
Tl est bien drois que du uostre i metez
Et faites tant que il. soient arme
17 De biaux (bons) cheuaus courans et abriues
Vos estes rices bien sofrir le poes
Li archeuesques sen est tantost (de Rainz en est) leues
20 Sire apostoles dist il trop mal parles
Ce ne (Ne le) feries (feriens) pour mil mars dor pese
Qui mesisiens .Il. d. monnaes (vaillant .Il. aus pelez)
23 Car a tous Jours seroit acoustume '
Tout se descordent dou tonseil sont tourne j
Quant lapostolles les (r)a tout (r)Japelles
26 KI. biaus fis dist (Vos filz dist il) auant uenes
Si mait diex je ni puis riens trouuer
Que il i metent .I. d. monnae
29 Quen sera done pour dieu de maieste
Dont iert perdue sainte GTERNEnIER:
*) Diese Stelle wird von der S. 89 mitgetheilten nur durch folgende
Zeilen getrennt: Nont armeure dont se puissent garir (folgt: Mi homme Ä
‘sont deschaus et mal uesti N) | Ne sainte eglise deffendre ce mest us.
m FR a a Ger
45
In der nun folgenden Tirade tritt in E Hervis auf. Die Über-
einstimmung mit TN wird dadurch selbstredend unterbrochen,
da nach ihrer Darstellung Hervis dem Coneil zu Lion gar nicht
beiwohnt. Der Überarbeiter hilft sich hier auf einfache Weise,
indem er die nächsten 15 Verse kurzerhand auslässt*).
Die Übereinstimmung setzt sich dann aber wieder fort:
E89d 11:
11 Adons parla li abes de Clini
Droit en aues archeuesques Hanris
Que les bien fais voles oster de ci
14 Nos sommes riche la dameden merci
De bonnes terres que lor ancestres tint
Moult est or miels si con mol est auis
17 Chascuns mete dou sien .I. sol petit
Que nos perdons se dont sommes saisi
Et larcheuesques par ire respondi
: 20 Miels se laroit traineir aroncins
Que ia i mete vaillant .I. angeuin
Varianten: 11 Apres Q Clugni
soit salues et'garis Q
ABFMOQ Cligni C 1
CM Que Ders F
12 —M Tort en a. ABCFO | Que Seren: ce dont nozs.s. AB
Sire arceuesques uos naues pas bien | Senosperdons ce quauomes conquis
dit © Q folgt: Dont puet on dire que
13 —=BCFM Quile bien fait A
Qui bien a faire uolez destorner
ci O, fehlt ©
14 =ABCFMONQ
15 = CO Des b. AF bonne
terre M Des riches terres B
fehlt
nos somes chaitif @ fehlt O
19 =ACFMO Lia.B Dis
larceuesques par le cors s. Denis &
0=F Ainz AC Miex me
laroie trainer a ronci B graillier
etrostir A trainer et (ou O) rostir
CMO fehlt Q
16 4 ABCMO si com il m’est
auis F', fehlt Q
17 C. i mete ABCFMOQ du
sien aucun p. ABCO cequilporra
soufrir Q, folgt: Tant que li regnes
een in
| *) Dieselben lauten E89d26ff.: Adont parla li Loherens Heruix 27 Sire
. apostoiles que est ce quaueis dit 28Siai .XX.mil de cheualiers gentis 29
Dont li clerc ont les fors et les molins 30 Si est bien drois autres consaus
soit prins (dl) Ou sese non bien puet a pis venir 2 Dist larceuesques
ie uos ai bien oi 3Nos sommes clerc si deuons deu seruir 4 Proierons deu
por trestos uos amins 5 Quil les deffande de honte et de peril 6 Che-
ualiers estes notres sire vos ft 7 Toutes droitures commanda a tenir
8 Et sainte eglise sauuer et retenir 9 Quel seleroie foi que doi saint
Martin 10 Je ni metroie vaillant un angeuin.
21 =(C0O Qu jo iBM v..l.
angeuins F' .I. paresi B du sien
grant ne petit A Ja ni metrai
vaillant .I. parisis 0 folgt: Et
lapostoiles durement se ER (ses
3%#
16
Par maul taillant a lapoustoiles dit
23 Par le sepulere il nira mi ensi -
Venes auant K. martiaus biax fis
: Je uos otroi et le uair ct le gris
26 Lor et largent dont clergie est saisis
Les palefrois les murs et les roncins
Et les destriers corans et arabis
29 Tos les prenes jel vos otroi et quit
Dont vos puissies les sodoiers tenir
fo 90a 1
Que vos desfendent et le uostre pais
Et si vos pres les dimes sire fis
Tresqua .VIL ans fait il et L demi
4 Quant vos ares vaincu les Sarrasins
Rendes les dimes ne les deues tenir
K. martiaus a dit vostre merci
7 Or est asses je lotroi bien ensi
La veissies tant panre var et gris
mari OÖ sen mari OF) ACFO
Li apostoiles forment sen engrami B
nach 7 weiteren Zeilen:
postoilles molt forment sesmari @
22 P. m. a son clergie a d.
ABMO fehlt CO
23 Par cel s. M Par S. Sepucre.
ABCFO folgt: En autre point
couient lafere issir F’ mie ensı M
24 = ABCOFM K.M.fetil O
Charlon apele ca uenes sire fis ©
folgen: De par Jesu qui onges ne
menti | Et de seint Pere en qui
leu ge suis mis | Ai ge la force de
faire mon plaisir | Et de par deu
preing hui ce fais sor mi
25 =ABCFMO Jo te com-
mant et de bouche le di ©
26 —= M dunt li clerc sont saisi
ABCOFO statt 26—28 bietet ©:
Sor les autex va loffrande coillir
Prenes les dimes et les bles autresi
Et sor les perces et le uair et le gris
Et ens es creutes autex et erucefix
27 = ABCFMO
28 —=M fehlen ABCFO
29 —=M Sil.p. A Senprendes
tant BC Si prenez tot F' Si aiez
tot O Et vendes tot je uos com-
mant amis Q folgt: Ne lor lessiez
fors tant ge uos en pri O
80 = CF Tant que puissiez A
Et la-
1 dus Heruiss ABCO
Dont nos puissions M p. vos s. B
Et dones tot as cheualiers gentis Q
Dont il se puissent et wure et
sostenir O0 |
1 = M Qui defendront AB uozet
u.p. ACF et vosetvop.B Bienen
porroiz uoz soldier tenirO fehlt -
E vos ötroi B Et
2 — FMO
sil uoz plest CO fehlt AQ
3=—= (CM Jusqua VII ans
ABFG Dusqu Vla0O le
uoz doing et otri A biaus fils tos
acomplis @ fehlt ©
4 =ABCFGMO Quant uos
aures aquite le pais Et les tirans
detrenchies et ocis ®
5 — ABCGM nes poez pas
tenir F'Rendes arier ce que uos
aues pris © |
6—=G hdistCFO dis ı M
respont B Lirois respontsireu.m. A
‚Et dist Mart. le uostre grant merci Q
7=M Co est assez B ce dist
sire ce dist
Heruis @ li dux Heruins a dit F-
Jel ferai bien se diu plaist et ie
uf @ folgen: Adont sescrie com
cheualiers de pris A Or aseglises
as cheuaus (hernois B) as roncin
ABCFGMO i
8 Ja prenez ttG lavp FF
Donev. ap. O0 tsp. Betp C
47
Or et argent et ces coupes dor fin
10 Et armeures dont li elerc sont: saisi
La ueissies chevaliers reuestir
En pou de terme si com la chansons dit
13 En ueissies plus de .LX. mil,
et u. et gg CFGMO le war 11l=BFMO Lors @ Tex fu
prendre et le gris A fehlt Q montes qui en piet en reuint ©
9 —MLoretlargentetlesBFGOQ | fehlt AU
vait maintenant saısir Q fehlen AU 12 =ABCOMO com (si com)
11 =BFMO Les a @ wum- | lestoire dt F@ fehlt ©
gestellt mit 9 M_ Muls et somiers 13 = AB@G XLCOFMO De che-
palefrois et roncis | Or as cras | ualiers veissies XXX mil O Bien
prestres ce dist li dus Heruins @ | conrees la dame diu merci Q
fehlt AC
T 173b 31; N 4e 32 (= Tir. 89):
31 Apres parla li abbes de Cluigni
Droit (Tort) en aues archeuesques dist il gentilz
Que les bienfais uoles oster de chi =
34 Nous soumes riche le dameldieu merchi
Des bonnes terres que nos (lor) ancestres tint |
Moult uenroit (vauroit) miex certes ce (si comme il) mest auis
37 Chascuns de nous i mesist .I. petit
| Que nous perdons cou de coi sons (dont somes) saisi
Et larcheuesques per ire respondi
40 Quil ni metroit uaillant .I. paresis
Dist lapostolles il ni(r)a mie ensi
Venes auant Kl. mart. biaus fis
43 Je vous otroi et le uair et le gris
Et les cheuaus palefrois et ronchis
Lor et largent dout clergies est (li clerc sont) saisi
c‚s 1 Et les destriers courans et arabis
(Et les cheuaus et les destriers de pris)
Tous les prendes je vos otroi et quit
Dont uous puissies les soudoyers tenir
4 Qui uous deffendent vous et uostre pais
Et si uous doins (prest) les dimes biaus dous fis (sires filz)
Dusqua .VI. ans dist il et .I. demi | :
7 Quant uous ares uaincus uos anemis
Rendes les dimes ne les deues tenir
(Dont les rendes plus nes deuez tenir)
Sire dist il (Kl.) de die .Ve. mercis
48
10. Il est asses ensi le uoel tenir (et jou ainsi lotri)
La (Dont) ueissies tan prendre uair et gris
(folgt: Et murs et mules palefrois et roncins)
Or et argent et coupes et or (copes hennas dor) fin
13 Tante armeure dont clergie (li clerc) sont saisi
Ches cheualiers ueissies reuestir
En peu de terme si com la chancons dist
16 En ueissies plus de .LX. mil.
Die Übereinstimmung hört hiermit auf, da das noch folgende
sich auf die Kriege mit den Wandres bezieht und deshalb mit
den durch den Zusatz geschilderten Ereignissen, Girart von
Rossillon betreffend , nicht mehr in Einklang zu bringen war.
Es erübrigt noch, einen kurzen Blick auf das Verhältnis
der Chanson de Garin nach NT zur Chanson de Hervis und
der allgemeinen Überlieferung zu werfen. Natürlich mussten
bei ihrer Abfassung die der Chanson de Garin entnommenen
_ und bereits früher geschilderten Züge in Wegfall kommen.
Dahin gehört in erster Linie das Concil zu Lyon (Paris, nfz. Bbtg.
Chap. I). Wir sehen daher in NTzu Anfang der Chans. Garin
Hervis in Paris, in Begriff stehend sich von Karl Martel zu ver-
abschieden, als die Kunde von dem Einfall der Wandres und der
Bedrängnis der Ortschaften Rains, Soisons und Sens eintrifft.
Die Belagerung von Paris, sowie Karls Zug von Lion aus zur Be-
freiung seiner Hauptstadt bleiben naturgemäss auch unerwähnt
(Paris, nfz. Bbtg. Chap. I). Von Paris begiebt sich Karl,
nachdem er auf Hervis’ Rat das Heer in zwei Theile geteilt hat,
mit der einen Hälfte nach Soisons und befreit die Stadt,
während Hervis mit der andern nach Sens eilt. Ebenso wird
noch der. Reihe nach die Belagerung der Städte Rains und
Troyes aufgehoben. Wie gewöhnlich bei Überarbeitungen,
_ werden auch hier: diese Ereignisse mit grösserer Breite und
Umständlichkeit wiedergegeben. Beispielsweise wird von einem
zweimaligen Kampfe vor Soisons gesprochen (cf. NT, Tir.5, 6, 7
49
und 11, 12, 13), desgl. vor Rains (ef. Tir. 8, 9 und Tir. 13, 14).
Ferner wird der endliche Sieg Karls über die Sarazenen bereits
im voraus durch eine Traumerscheinung*) verkündigt. Während
der Kämpfe um Troyes tritt nämlich in einer Nacht ein Engel
an des Königs Lager und fordert ihn auf, nicht zu verzagen,
sondern im Vertrauen auf. seine gute Sache, den Kampf von
neuem aufzunehmen. Noch in demselben Jahre, weissagt er,
soll Karl sein gesamtes Erbe wiedererlangen , dabei aber wird
ihm zugleich kundgethan, dass es ihm alsdann nicht vergönnt
sein werde, weiter zu leben, indem das letzte seiner Lebens-
jahre herangekommen sei. Deshalb soll er auch nicht ver-
säumen, die Zehnten zurückzugeben, die ihm früher _ zeit-
weise abgetreten waren. Zum Schluss prophezeiht ihm der
Engel die baldige Geburt eines Thronerben, der, wenn er
vollständig ausgewachsen sei, zwar nicht mehr als 3 Fuss
messen, trotzdem aber sein grosses Erbe mit mächtiger Hand
zu beherrschen wissen werde.
Die Verwundung des Königs, sein Tod, sowie die Krönung
Pipins stimmen im wesentlichen mit der ursprünglichen Über-
lieferung überein, wohingegen selbstverständlich Hervis’ Ver-
mählung auf der Rückreise von Paris, einschliesslich der
Nachrichten über seine Nachkommenschaft, ausfallen. Statt
dessen wird nur erzählt, dass Hervis in Verdun vom Bischof
Lanselins und in Gorse (Gore N) von dem Abte aufs freund-
schaftlichste empfangen sei und von letzterm Orte aus Thieri
*, Ein beliebter technischer Kunstgriff der altfr. Epiker, der keines-
wegs für hohes Alter der betreffenden Gedichte sprechen kann, wie
Koschwitz, Rom.Stud. I,42 und mit ihm@G.Paris meint, soimRol., in
Karls Reise, im Turpin, im Fierabr. fr. 6137 Gaydon S. 321 ff. etc. und.auch
sonst ist er zur Geltendmachung clerikaler Wünsche angewandt. Doch recht-
fertigt dies noch nicht, die Annahme DuMerils Mort Garin LXXI:
‚L’auteur (sc. de N) est evidemment un ecelesiastique qui saisit toutes
les occasions de montrer sa robe et de faire de la propagande‘. Dagegen
spricht namentlich die despectirliche Behandlung, welche der Verfasser
im ersten Theil seines Zusatzes, den hohen Würdenträgern der Kirche
seitens des Hervis widerfahren lässt (vgl. S. 32).
50
nach Mas gesandt habe, um den Seinigen seine bevorstehende
Rückkehr zu melden. Die Erzählung wendet sich dann, nach
Schilderung seines Einzuges, sofort zu der Belagerung von Mes
durch die Sarazenen, ein Übergang, den 7 182c auch
durch eine besondere Überschrift hervorhebt. Dieselbe lautet:
‚Ensi qui li .IIIL. roy reuinrent aseir Mes et comment Hervis
issi contre yaus a bataille‘. .
Der Zeitraum zwischen Hervis’ Rückkehr und dem Angriff
der Heiden wird auf 9 Monate angegeben T 182c N 47b:
Bon tans i a et de pain et de uin
1X mois tous plains demoura bien ensi
Que nule guerre noient (ne riens) ne li nuisi,
womit die nun folgende Nachricht in seltsamem Widerspruch
‘steht, dass Pipin, als Hervis ihn in Montloon, wo sich der
Hof gerade aufhält, um Hülfe angeht, seine Ratgeber um sich
versammelt, um mit ihnen Hervis’ Anliegen zu erwägen. Er
müsste dies dann, wie sich aus dem Vorhergehenden ergiebt,
im Alter von etwa einem Jahre gethan haben. Richtiger giebt
die ursprüngliche Überlieferung das Alter Pipins, als Hervis
ihn um Hülfe bittet, auf 12!/s Jahr an, was für den zwischen
dem ersten und zweiten Einfall der Wandres liegenden Zeit-
raum die Summe von nahezu 13 Jahren ergiebt.
Der nun folgende Teil, die abschlägige Antwort Pipins,
die darauf erfolgende Reise des Herzogs zum Könige Anseis
von Cologne und dessen Beistand lehnt sich im wesentlichen
an die ursprüngliche Überlieferung an. Dann aber weichen die
Berichte von NT sowohl untereinander (vgl. p. 13), als auch
von der ursprünglichen Überlieferung bedeutend ab, indem
Hervis in den Kämpfen von Mes nicht seinen Tod findet, sondern
nur schwer verwundet wird und nach seiner Genesung noch
einen Zug gegen die Sarazenen in das heilige Land unternimmt.
Eine eingehende Darlegung desselben, sowie der Stellung
von N und T unter einander und zu der übrigen Überlieferung
gehört nicht in den Bereich der vorliegenden Arbeit und behalte
ch mir dieselbe für eine spätere Untersuchung vor.
5l
Das Resultat vorstehender Darlegung lässt sich dahin
zusammenfassen, dass der Zusatz, welchen die Hss. NT zur
Chanson de Hervis, wie sie die Hs. E und Philippe de Vigneules
bieten und die Aenderungen derselben Hss. im Eingang des "
Garin, lediglich bezwecken diese ursprünglich getrennten oder
wenigstens nur rein äusserlich in Beziehung gebrachten
Gedichte innerlich zu verknüpfen und ihre zu augenfälligen
Widersprücke zu verwischen. Wie wenig das dem Verfasser
der Redaction NT gelungen, in wie viele neue Widersprüche
er sich verwickelt, wie armselich seine Erfindungsgabe war,
ist dabei nur zu deutlich zu Tage getreten.
Dass wir es wirklich mit einem Zusatz zu thun haben,
geht auch noch daraus hervor, dass die 21 Plus-Tiraden
von TN mit 1451 resp. 1499 Zeilen den Wechsel von männ-
licher & und männlicher © Assonanz, auf welche Künstelei der
Verfasser des Hervis grossen Werth gelegt hat (vgl. Hub |. e.
S. 9. Anm. 3. und Stengel in Zeitschr. IV, 101), an 2 Stellen
durch je eine männliche a-Assonanz (von 16 und 18 Zeilen), an
einer dritten durch eine männliche nasale o-Assonanz (von
65 Zeilen) und an einer vierten durch 2 männl. nasale o Ass.
(von 30 u. 36 resp. 37 Zeilen) und eine männliche öe Assonanz
(von 22 Zeilen), im ganzen also durch 187 resp. 188 Zeilen
durchbrechen, während ihn der eigentliche Hervis, d. h. die
ersten 82 Tir. der Hs. E mit 10530 Zeilen nur an 5 Stellen
(und zwar sämmtlich nach T. 45) durch 9 andere Assonanzen
(2 männl. und 2 weibl. a, 2 weibl. &, 1 männl. 1 weibl. u
und 1 männl. :e) mit im ganzen 73 Zeilen unterbricht.
Eine auch nur theilweise Beeinflussuug des Verfassers der
Redaction TN seitens der lebendigen Tradition anzunehmen,
sind wir durch nichts berechtigt und das lässt denn auch die
Ansicht Du Meril’s (l. c. LXXVD): ‚La comparaison des deux
_textes (d.h. die Red. N und die, welche unter Jehan de Flagis
Namen geht) fournit un moyen de remonter aux traditions
_ primitives et de les debarasser des additions qui les ont cor-
_ rompues‘ keineswegs als begründet erscheinen. .
Lebenslauf.
Am 22. März 1856 als Sohn des Obergerichtsrath Rhode in Corbach
geboren, empfing ich meinen ersten Unterricht in der höhern Bürger-
schule zu Arolsen, wohin mein Vater bald nach meiner Geburt verzogen
war. Nach Absolvirung dieser Anstalt ging ich Ostern 1872 zur Real-
schule I. Ordnung in Lippstadt über, die ich nach 1'/ jährigem Besuch
ım Herbst 1873 mit der Realschule I, Ordnung in Cassel vertauschte,
Hier bestand ich Michaelis 1874 die Maturitätsprüfung und studierte
sodann, nach halbjährigem Aufenthalt im elterlichen Hause, von Ostern
1875 bis Herbst 1877 2 Semester in Bonn und 3 Semester in Marburg
neuere Sprachen, Geschichte und Geographie. Nach einjährigem Auf-
enthalt in Paris kehrte ich im Herbst 1878 nach Marburg zurück, wo
ich am 31. Januar 1879 vor dortiger Königl. Wissenschaftlicher Rrüfungs-
Commission die Prüfuug pro facultate docendi ablegte. Durch Verfügung
Königlichen Provinzial Schul-Collegiums zu Cassel wurde ich von
Ostern 1879 ab der Wöhlerschule (Realschule I.Ordnung) in Frankfurta.M.
zur Ableistung des Probejahres überwiesen. Bei dieser Gelegenheit kann
ich es mir nicht versagen, die liebenswürdige Zuvorkommenheit, mit
der ich durch den während meines Probejahrs leider zu früh verstorbenen
Dirigenten der Wöhlerschule, Herrn Professor Friedrich Kreyssig, in
mein Amt eingeführt wurde, dankbarst hervorzuheben. Nach beendigtem
Probejahr übernahm ich Ostern 1880 die 5. Lehrerstelle an der höhern
Bürgerschule meiner Heimathstadt Arolsen. Am 8. Juli desselben Jahres
bestand ich das Examen rigorosum. :
Während meiner Studienzeit hörte ich in Bonn die Vorlesungen der
Herrn Prff. Dr. Bischoff, Delius, Kortum, J. B. Meyer, Schaarsehmidt,
'Simrock; in Marburg der Herrn Prff. Dr. Bergmann, Lucae, Bein,
Stengel, Varrentrapp, denen allen ich zu grossem Danke ver-
pflichtet bin.
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